Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 11. Oktober 1878

Potsdam 11/10 78.

Mein lieber Ernst!

Hab tausend Dank für Deinen lieben Brief. Innig freue ich mich, daß Du Dich in Deinem lieben Daheim so behaglich fühlst, und Frau und Kinder gesund und munter gefunden hast. Hast Du denn Deine Schwiegermutter auch besser gefunden? Auch freue ich mich mit Dir, daß Deine auf der Reise gesammelten Schätze wohlbehalten angekommen sind, und Du doch noch ein paar Thiere lebend gefunden hast, freilich habe ich dadurch einen Tag Deines Hierseins verlohren; doch bin ich dank-||bar dafür, daß Du hier warst, und ich durchlebe in Gedanken noch immer die 2 Tage. Nun wenn mir auch die Trennung von Dir mitunter recht schwer wird, so freue ich mich doch, wenn es Dir wohl geht. Gott erhalte Dir Dein häusliches Glück ungetrübt.

Wenn nichts dazwischen kommt denke ich den 19ten, also morgen über 8 Tage nach Berlin zu fahren, um Berthas Geburtstag mit ihr zu verleben. Ich werde dann wohl 8 bis 10 || Tage dort bleiben. Ich schliesse hier die Butiek und laß Anna zu ihren Eltern gehn. –

Vorgestern am 9ten war ich zu Mittag bei Karl, wir fuhren Nachmittag zur Feier von Georgs Geburtstag in einem Kremser alle zusammen nach dem Beierschen Häuschen. Es war ein herrlicher Herbsttag, da dacht ich recht an Euch und wünschte Euch hier zu haben. Gestern war das Wetter weniger gut, und heute || kalt, Regen und Donner. Wann fangen Deine Kolegen an?

Grüsse Deine liebe Frau und Deine Kinder herzlich von mir, und behalte lieb

Deine

alte Mutter

Lotte Häckel

Lieber Ernst ich muß Dir noch sagen, daß ich in den niedlichen Rahmen, den Du mir hier gelassen, Deines Vaters Photographie getan habe. Es steht auf meinem Secretär, und macht mir Freude. Habe Dank dafür.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
11-10-1878
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36798
ID
36798