Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 27. August 1878

Potsdam 27/8 78.

Mein lieber Ernst!

Meine Sehnsucht nach Nachricht von Dir, war sehr groß, wurde endlich heute gestillt, da Deine liebe Frau mir einen Brief von Dir aus Paris vom 21sten schickte. Nun bis dahin ist es Dir ja gut gegangen; worüber ich mich herzlich freue. –

Gott behüte Dich ferner. Heute sagte mir Lina Siebert sie habe in der Cöllenschen Zeitung einen Artikel aus Paris gelesen, worin von einer Versammlung die Rede sei bei der diesmal auch 2 deutsche || Naturforscher: Virchow und Häckel seien. – Das hat mir einen kleinen Schreck gemacht, und ich bitte Dich dringend: mässige Dich, wenn Ihr Euch seht, es wär ja wunderlich wenn die Deutschen den Franzosen eine Vorstellung geben wie gehässig die deutschen Gelehrten sich behandelten; laß Dich auf diese Händel ferner nicht ein, Du hast ja nur ärger dabei. Geniesse lieber ungetrübt das Schöne, || was Du in Deinem Berufe findest, Gottes Welt ist ja so reich an Wundern und ich freue mich, daß Dir ein feines Verständniß gegeben ist es zu erkennen. –

Hoffentlich hast Du meinen Brief in Paris erhalten, den ich nach Deiner frühern Angabe Adressiert habe.

Bei Karl sind alle wohl, ich konnte ihm heute Deinen Brief nicht geben, da er auf dem Gericht war, als ich ihn erhielt, und er heute Nachmittag nach Berlin ist. Nun, leb wohl, mein lieber Sohn; behalte lieb

Deine

alte Mutter Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
27-08-1878
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36797
ID
36797