Haeckel, Charlotte

Charlotte an Ernst Haeckel, Potsdam, 16./17. März 1878, mit Beischrift von Karl Haeckel

Potsdam 16/3 78

Mein lieber Ernst!

Herzlichen Dank für Deine Karte, die mich sehr beruhigt hat, ich hatte Sorge, ob Dir wohl die Nachtfahrt gut bekommen sei, da Du doch so angegriffen von den Vorbereitungen zur Reise warst. Die Kartte bekam ich recht spät, wieder mit der Bemerkung von der Post, man sieht doch, daß man mit den Karten weniger sicher geht, als mit den Briefen. Deine Versicherung, daß es Dir wohl geht freut mich sehr. Möge Deine Reise ferner glücklich gehn; Gott behüte Dich, mein lieber Herzens Sohn! Morgen ist nun die Hälfte der Zeit verstrichen, vor der Du Dich graultest. Ich hoffe || durch Agnes bald mal etwas näheres über Deine Reisebegebnisse zu erfahren; die Leute sollen Dich nur nicht zu sehr quälen mit Gunstbezeugungen oder ärgern mit zu viel Tadel; jeder kann ja den Weg wandeln, den er für richtig hält. Ich fürchte nur, daß Du zu viel Strapazen durch zu machen hast, und mir dann zu Abgehetzt ans Meer kommst, wo ja Deine lieblings Beschäftigung anfängt, da wünsche ich Dir reichen Fang von seltenen Medusen.

Zunächst, mein lieber Ernst, sage ich Dir noch tausend Dank, daß Du mir die Freude gemacht, vor Deiner Reise mich || zu besuchen. Von mir kann ich Dir sagen, daß es, wenn auch langsam, doch auf der Besserung ist.

Bei Karl ist auch alles wohl, sie haben die Hochtzeitsfeierlichkeiten glücklich überstanden, die Anna und Marie viel Freude gemacht haben. Donnerstag war Bertha bei mir, sie mußte aber den Abend wieder zurück fahren; denkt aber in der nächsten Woche auf einige Tage herzukommen. Hast Du in Frankfurt Ernst Naumann besucht? Nun kanna ich nicht mehr schreiben und wünsche Dir noch eine gute Nacht. ||

Hoffentlich hast Du gute Nachricht aus Jena von Frau und Kinder.

Behalte lieb

Deine

alte Mutter

Lotte Häckel

geborene Sethe.

[Beischrift von Karl Haeckel]

Potsdam 17/3.

Auch ich finde, lieber Bruder, daß sich Mutter durch Deinen Besuch und in Folge desselben erheblich gebessert hat. Ich fand sie in den letzten Tagen meist aufsitzend.

Ich habe die langweilige u. angreifende Schwurgerichtswoche glücklich überstanden, dazwischen die Hochzeitsfeier, die sehr würdig und nett war.

Hast Du unterwegs auch so schauerliches Wetter wie wir hier? Alle Morgen haben wir frischgefallenen Schnee der am Vormittag nicht wieder abthaut; heute aber noch mehr als die anderen Tage. – Kommt Gustav Boescke nach Elberfeld, so grüße ihn schön.

Dein Dich herzlich grüßender

Bruder.

a korr. aus: kannst

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
17-03-1878
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 36771
ID
36771