Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst und Agnes Haeckel, Berlin, 13. Oktober 1877

Berlin 13/10 77.

Liebe Kinder!

Meinen herzlichsten Willkommen in Euere liebe Heimat rufe ich Euch aus Berlin zu, wo ich heute angekommen bin und denke bis morgen über 8 Tage hier bei Bertha zu bleiben. – Daß Ihr, Lieben so viel Schönes auf der Reise gesehn habt freut mich sehr, besonders bin ich aber froh, daß Ihr wieder ganz wohl seid; wenigstens erwartte ich diesmal, daß es wirklich schon ist, denn schon im letzten Briefe hattet Ihr mir geschrieben Ihr wärt wieder ganz besser und doch sehe ich aus dem heutigen, daß Ihr 14 Tage von der Erkältung geplagt seid gewesen. Wenn Ihr || wollt, daß ich ruhig sein wollt, müßt Ihr mir immer die Wahrheit sagen, sonst habe ich Sorge um Euer Wohlergehn. Hoffentlich findet Ihr auch die Kinder ganz wohl; und gewöhnt Euch bald an das nordische Klima, Ihr seid nun durch den Süden verwöhnt. –

Heute früh erhielt ich noch in Potsdam, als ich eben in die Droschke steigen wollte, Deinen Brief, mein lieber Ernst, wofür ich Dir herzlich danke. Auch Dir, liebe Agnes, habe ich noch nicht Dank gesagt, für Deinen lieben Brief, mit dem Du mich sehr er-||freut hast; möchtest Du mir nur auch bald mündlich berichten können über das viele Schöne, was Du gesehn hasta. Bei Alle dem wirst Du Dich nun nach der langen Abwesenheit wieder recht Deiner Häuslichkeit freuen. Hoffentlich höre ich bald Gutes von Euch Lieben. –

Bei Karl inb Potsdam war in der letzten Zeit etwas mehr Leben im Hause, Hermann und Heinnrich waren zum Besuch da, ersterer war von seinem Prinzipal hin geschickt, um die von Celle geschickten Sachen zur Pomologieausstellung, zu ordnern. || Er war in der ganzen Zeit sehr beschäftigt, so daß ich ihn nur wenig gesehn habe, doch freue ich mich wie er im Ganzen sich doch in seinem Berufe scheint gut zu machen, er ist schon am vorigen Mittwochc wieder abgereist. Heinnrich wird Montag abreisen. Ueber den Jungen habe ich mich auch gefreut, er wußte mir nicht genug zu rühmen, wie gut es ihm in Jena gefallen habe. – Bertha läßt vielmals grüssen, ich kann heute nicht mehr schreiben, der alte Kopf will nicht mehr ausreichen. Seid mit Eueren Kindern aufs herzlichste gegrüßt, und erfreut bald mit guten Nachrichten Euere alte

Mutter Lotte.

a korr. aus: ist; b korr. aus: ich; c korr. aus: Dienstag

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
13-10-1877
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36745
ID
36745