Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 4. Oktober 1876

Potsdam 4/10 76.

Mein lieber Ernst!

Hoffentlich bist Du wohl behalten daheim angekommen, und hast Deine liebe Frau und Kinder in erwünschten Wohlbefinden getroffen. – Zuerst sage ich Dir noch tausend Dank für die große Freude, die Du mir durch Dein Hiersein gemacht hast; wie froh bin ich, daß Du die Reise so glücklich gemacht hast, und trotz aller Strapatzen doch so erfrischt heimgekommen bist. Nun bitte ich Dich, mein lieber Herzens Sohn, aber auch dringend, über-||nimm Dich nicht wieder mit Arbeit, all zu viel ist ungesund – alles mit Maaß und Ziel – die goldene Mittelstraße. – –

Meine heutige kleine Sendung, ist eigentlich veranlaßt durch den Geburtstag Euerer kleinen Emma, und da sie nicht lesen kann, bitte ich ihre Eltern dem lieben Mädel an ihrem Geburtstage zu sagen, wie ihre alte Großmutter, die sie herzlich liebt, ihr Gottes reichen Seegen wünscht. Er möge || Gedeihen geben, und ihren Eltern verleihen, daß sie ihre Kinder in Gottes Furcht, fromm und gut erziehen.

Mögen die Kinder zu Euerer Freude heranwachsen! – –

Da klein Emma so zärtlich Taschentücher liebt, habe ich ihr 2 kleine genäht, und dazu schicke ich ihr das kleine Täschchen, damit sie ihre lieben Tücher immer bei sich hat. – Wie ist es Dir, mein lieber Ernst, in Berlin gegangen? –

Am Montag bekam || ich den Brief von Deinem Walter, der mir dadurch eine große Freude gemacht hat; ich danke ihm sehr dadurch; er hat den Brief viel besser geschrieben als er seine Arbeiten machte; und ich wünsche, daß er fortfährt und sich viel Mühe giebt, in der Schule fortzukommen.

Sei mit Frau und Kinder aufs innigste gegrüßt von

Deiner

alten Mutter Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
04-10-1876
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36711
ID
36711