Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 8. April 1875

Potsdam 8/4 75.

Mein lieber Herzens Ernst!

Wenn ich Dir auch nicht besonders etwas zu berichten habe, so ist es mir doch Bedürfniß, noch ein paar Wortte Dir zu schicken, sind doch meine Gedanken immer mit Dir beschäftigt. Dankbar froh bin ich, daß es Dir bis jetzt so gut ergangen ist, so möge Gott Dich ferner beschützen. Auch freue ich mich, daß ich immer gute Nachricht von Deiner Frau und den Kindern hatte. – Hier bei Karl ist auch alles wohl; Karl hat schon oft davon gesprochen, daß er Dir schreiben wolle, schwerlich ist er dazu gekommen, || er hat immer so viel zu thun, und ausser seinem Beruf findet sich auch noch immer viel zu besorgen. Seit Anfang Aprill ist Herrmann auf die Gärtnerlehranstalt gekommen, er hat ein sehr gutes Zeugniß vom Hoffgärtner, bei dem er bis jetzt war, erhalten; Heinnrich ist konformiert, der jüngste Julius ist nun auch Grimaliast [!], so sind jetzt 4 Söhne von Karl zugleich auf dem Gymnasium. – Der General Hippel, der die obere Wohnung bei Karl inne hat, wird Potsdam ver-||lassen, und da muß zu Michael ein neuer Miether gesucht werden. – So giebt es mancherlei Unruh, auch durch meinen Umzug, seit Sonnabend vor Ostern bin ich nun in meiner neuen Wohnung Breitestraß Nummer 20. – allerdings noch immer nicht in Ordnung. –

Gestern war ich in Berlin, Bertha läßt Dich herzlich grüssen; sie sucht auch zu Michael eine andere Wohnung. – Ich habe das für Dich eingenommene Geld vorläufig in Berlin bei Herrn Joachim zum Verzinsen stehn lassen, ich will mit Anlegen desselben noch wartten; am 24/4 wird in Dortmund Gene-||ralversammlung der Vereinigten Westphalia sein, und wenn es sich dann herausstellt, daß es günstig ist, so kann man dabei das Geld anlegen; Karl wird zur Generalversammelung reisen, und Erkundigungen einziehen. –

Conrad Jacobie hat das Abituriendenexamen glücklich bestanden und ist bei der Artallierie [!] in Kassel eingetreten. –

Grüsse Deine beiden Reisegefährten von mir, mir ist es eine große Beruhigung, daß ich Dich nicht allein in einem Lande weiß, was ich nicht liebe. –

Behalte lieb Deine

alte Mutter Lotte

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
08-04-1875
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36640
ID
36640