Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 7. Dezember 1874

Potsdam 7/12 74.

Mein lieber Ernst!

Der heutige Tag war für mich so ernst, daß es mir noch Bedürfniß ist, zum Schluß noch ein paar Wortte an Dich zu richten. Heute ist unser unglücklicher Karl 21 Jahr alt geworden; und in der letzten Zeit waren die Nachrichten gar nicht gut, jetzt soll es ruhiger sein, aber sehr traurig. – – Wie wenig Hoffnung bleibt uns für den armen Jungen. Eine schwere Prüffung. Gott helfe uns allen durch.

Früh kam Bertha zu mir und blieb bis 6 Uhr, die hatte recht traurige Nachricht aus Bonn, unsere liebe Auguste ist wieder ernst und bedenklich erkrankt; die || schlagartigen Zufälle haben sich in der letzten Zeit vielfach wiederholt. Du kannst denken, wie mich dies betrübt.

Recht dankbar bin ich, daß Bertha selbst bei mir war, da konnten wir uns aussprechen, da wir ja beide Auguste so innig lieben.

Frau Korbin hatte an Bertha geschrieben.

Als Bertha eben angekommen erhielt ich Deinen Brief. Welchen Schrecken müßt Ihr vorgestern gehabt haben. Nun Gott sei gepriesen daß es glücklich für Euch vorüber gegangen ist. Er behüte Euch ferner, und beschütze Euch. – ||

Für heute, mein lieber Ernst, sage ich Dir gute Nacht. Ich kann nicht mehr schreiben; aber ich hatte das Bedürfniß Dir mein besorgtes Herz mitzutheilen.

Grüsse Deine Frau und Kinder aufs herzlichste von mir, und behalte lieb

Deine

alte Mutter Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
07-12-1874
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36616
ID
36616