Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 28. – 30. November 1874

Potsdam 28/11 74

Mein lieber Ernst!

Hab tausend Dank für Deine Liebe, die mich ja immer erquickt; wußt ich doch im voraus, daß mein Herzens Junge an Vaters Geburtstag meiner denken würde; und wenn auch ernst und still der Tag für mich war, so war doch das Dankgefühl vorherrschend wie viel uns allen der theuere Entschlaffene gewesen und noch ist.

Dann erfreuten Deine Zeilen mich besonders durch die Nachricht, daß Du die Orientreise aufgegeben hast, möge die Reise, die Du doch später unternehmen willst Dir zur Freude und Erquickung gereichen. – ||

Tante Bertha war einige Tage bei mir, sie kam Sonnabend, den 21sten und blieb bis Dinstag, Sonntag waren wir zusammen bei Karl.

Montag kam Dein lieber Brief mit der Zeitschrift. Die darin enthaltene Beschreibung hat mich amüsiert; nur finde ich in all diesen Sachen Dein Bild so schlecht, daß ich meinen Jungen nicht darin erkennen kann. –

Montag. Vorgestern konnt ich nicht weiter schreiben, nun sollen aber heute diese Zeilen noch weg in Bearbeitung eines Stückchen Hirschbrathen; ich hatte gestern Abend || auf eine mir geschickte Hirschkeule Karl, Clara, Ritters, Fräulein Sieber und Doctor Ebmeier gebeten, und da macht es mir Spaß, wenn meine Jenenser auch ein Stückchen davon geniessen. – Ich bitte Deine liebe Frau mir gelegentlich, wenn es mal gute Wurst giebt in der kleinen Kiste etwas Servelat, Leber und Rothwurst zu schicken, aber gleich dabei zu bemerken, wie viel sie kostet, damit ich es in unserer Berechnung bemerke. ||

Sei mit Frau und Kinder aufs herzlichste gegrüßt.

Hoffentlich ist doch der Wein gut angekommen??

Behalte lieb

Deine

alte Mutter

Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
30-11-1874
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36613
ID
36613