Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 17. November 1874

Potsdam 17/11 74.

Lieber Herzens Ernst!

Dein heute erhaltener Brief hat mich durch die gute Nachricht von Euerem Ergehn um so mehr erfreut, da ich schon rechte Sorge um Euch hatte, weil ich so lange nichts von Euch gehört. Nun haltet Euch nur auch den Winter recht tapfer, und seht ja darauf, daß Ihr in Euerer Wohnung nicht so viel Zug habt, dadurch macht Ihr Euch nur zu leicht wieder krank.

Hier geht es, Gott sei Dank auch gut, auf dem Kitz ist alles munter, und mit meinen Augen ist es auch nicht schlimmer || geworden, nur muß ich sie schonen, nicht anhaltend lesen und schreiben, und da ich heute Dir nichts besonderes zu berichten habe, würde ich a noch gar nicht schreiben; nur habe ich Sorge, da Du nichts davon erwähnst ob Du meinen letzten Brief, womit ich Dir 100 Thaler schickte, wohl erhalten hast. b Ist er nicht angekommen so sag mir es gleich nur mit ein paar Worten, damit ich auf der Post hier nachfrage, ich habe es declarirt und einen Schein darüber. || Ich werde nun, um Dir nicht unnöthig Deine Schreiberei zu vermehren annehmen, den richtigen Empfang, wenn ich weiter nicht höre. –

Uebrigens habe ich schon oft gedacht, da Du über die viele Briefschreiberei klagst, ist es denn durchaus nöthig, daß Du allen antworttest, die Dich loben, besonders finde ich es überflüssig, wenn Du denen noch schreibst, die sich für Zusendung Deines Briefes bedanken, denn das ist doch schon eine Antwort auf Deine Sendung. – ||

Mit Deinem letzten Buch scheint ja alles Galob zu gehn, gleich 2te Auflage und nun 3 Uebersetzungen, werde nur nicht übermüthig und bleibe mein alter lieber Junge.

Grüsse Deine liebe Frau und Kinder herzlich von mir, und Dich umarmt in Gedanken

Deine

alte Mutter

Lotte.

a gestr.: heute; b gestr.: Ich

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
17-11-1874
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36611
ID
36611