Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 6. – 8. Juni 1874

Potsdam 6/6 74

Lieber Ernst!

Schon seit mehreren Tagen wollt ich Dir schreiben, aber ich konnte nicht dazu kommen; es war so manches, was mich ernst bewegte, und sich doch nicht gut schriftlich mittheilen ließ; jetzt muß ich Dir aber doch schreiben, daß ich eine große, kaum gehoffte Freude habe: meine Schwester Auguste ist gestern früh mit ihrer Tochter Hedwig angekommen. Meine Schwester Bertha kam gestern Nachmittag auch her meine Gäste zu begrüssen, mußte aber || Abends wieder nach Berlin, will aber heute Abend oder morgen früh wieder kommen und dann einige Tage bleiben, daß wir 3 Schwestern, die einzig noch lebenden von der großen Geschwisterschaar, a uns des Zusammenseins freuen. –

Wie habe ich mich gefreut von Karl und Clara zu hören, daß Ihr so vergnügt zusammen gewesen seid. in Gedanken war ich viel bei Euch. –

Als Du hier warst, sagtest Du, Du würdest, || wann Du mit Agnes verreist mir Deine Kinder her geben, worauf ich mich sehr freute; nun erfahre ich aber durch Clara, daß Du diesen Plan ganz geändert, und Ihr wünschtest [!], daß ich in Euerer Abwesenheit in Jena bei den Kindern sein möchte. Wenn Euch das lieb ist, so will ich es gerne thun; ich wünsche sehr, daß Du in den Ferien Dich recht erholen mögst und auch für Agnes wird die Reise eine Erfrischung sein. Sobald Ihr wißt wann Ihr reisen werdet, schreibt es mir, damit ich meine Häuslichkeit || darnach einrichten kann, und vielleicht auch einige Tage früher nach Jena komme, damit Ihr mir noch sagen könnt, was für die Kinder zu beobachten ist. Clara sagte mir auch Agnes suche ein Kindermädchen, und habe keine zu Johanni gefunden. Wenn das ist so kann ich ja meine Marie mitbringen, doch möchte ich es dann gerne bald wissen, um meine Einrichtungen darnach zu machen; wenn ich sie nicht mitbringen soll, so muß ich mich in Zeiten nach einem Unterkommen für sie umsehn, da ich sie nicht alleine im Hause lassen kann. ||

Potsdam 8/6 74.

Eben, mein lieber Herzens Ernst! erhalte ich Deine lieben Zeilen, wofür ich Dir herzlich danke; aus beifolgendem Zettel ersiehst Du, daß ich schon vor einigen Tagen Dir geschrieben, aber nichtb zu Ende gekommen bin. Gestern war Bertha auch hier, sie aß mit uns und Karl und Clara bei uns. Nachmittag waren wir bei den Kitzern wo im Gartten der Kaffe getrunken wurde. Tante Bertha hatte eigentlich bei uns bleiben wollen, da aber || Bertha Pine noch Nachmittags kam, um Auguste zu sehn, wollte sie dieselbe Abends nicht allein zurückfahren lassen, sondern begleitete sie mit Hedwig, die heute einige Besuche in Berlin machen will. und heute Abend zurück kommt. Bertha wird wohl noch Mölders in Utrecht besuchen. Grüsse Agnes und die Kinder herzlich und Dich noch besonders von

Deiner

alten Mutter Lotte.

a gestr.: zur; b korr. aus: zieht

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
08-06-1874
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36592
ID
36592