Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 16. März 1874

Potsdam 16/3 74.

Mein lieber Ernst!

Eine große Beruhigung war mir Dein letzter Brief, da er mir sagt, daß Euere Sorge um die kleine Emma gehoben ist. Gott gebe, daß es nun so an der Besserung bleibt, und das kleine Mädel bald wieder ganz frisch ist.

Auch Deine Versicherung, daß Du, Agnes und die beiden ältesten Kinder, wieder ganz wohl sind, freut mich; nehmt Euch nur || noch recht in Acht, das Wetter ist in diesem Jahr zu schnell wechselnd und meist rauhe Winde, so daß man sich zu schnell erkältet; wir werden hier Husten und Schnupfen gar nicht loos. Gestern waren die Kitzer alle bei mir zu Mittag, der kleine Ernst konnte nicht mit kommen, da er Fieber hatte und zu Bett lag, eben war ich nun || da, und fand ihn wieder wohl und auf, zur Schule war er heute noch nicht gewesen. Endlich ist nun auch das dumme Dink von Karl [!] Fuß weg, und er war darüber sehr froh, wird aber den Fuß wohl noch etwas schonen müssen, er hatte heute Schmerz daran, ich denke aber es wird sich geben. Er grüßt Dich schön, und freut sich mit mir, daß Du Anfangs Aprill || willst herkommen. So sehr ich mich darnach sehne, mich mit Dir mal auszuplaudern, so bitte ich Dich doch ja erst Deinen Doctor zu fragen, ob Dir die Reise jetzt auch gut ist; ich will nicht, daß Du Dich wieder verdirbst; um mir eine Freude zu machen.

Gestern war auch Bertha hier, und ich hörte von ihr, daß Deine Schwiegermutter krank sei, das thut mir leid, und || da ich nicht weiß ob Ihr in Jena Apfelsinen und Citronen bekommen könnt, so habe ich welche besorgt, die ich hierbei schicke. Vielleicht ist es auch eine kleine Erquickung für Mutter Huschke, der ich von Herzen gute Besserung wünsche. Jeden falls denke ich, Ihr verschmäht sie nicht. Wie leid ist es mir, daß Agnes nun wieder Sorge um die Mutter hat, da kaum die um Mann und Kind vorüber ist. || Agnes bitte ich mir durch Dich, wenn Du herkommst das alte braune Kleidchen von Lisbet mitzuschicken, und mir sagen zu lassen: ob sie eine bestimmte Farbe für Eueres wünscht, oder ob ich es nach Gutdünken wählen soll? Sei Du mit Frau und Kinder aufs herzlichste gegrüßt und geküßt von

Deiner

alten Mutter

Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
16-03-1874
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36576
ID
36576