Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 14. Oktober 1873

Potsdam 14/10 73.

Lieber Herzens Ernst!

Hab herzlichen Dank für die so sehnlich erwarttete gute Nachricht. Das ist diesmal Agnes so sehr gut geht ist ja herrlich; nur thut es mir grade für Agnes sehr leid, daß sie nicht nährt, sie würde gewiß kräftiger und gesünder darnach werden; ich wünsche ihr nur, daß sie nicht noch gezwungen wird, ihr Kind einer liederlichen Person überlassen zu müssen; hoffentlich wird das kleine Mädel sich mit der Flasche einrichten lernen, laßt || Euch nur nicht abschrecken, wenn sie Anfangs nicht zu nimmt, denn das ist bei der Flasche nicht anders. Nun hoffentlich höre ich von Mutter und Kind immer Gutes. – Daß Clara wieder treulich Euch beisteht, dafür sage ich ihr herzlichen Gruß und Dank; bitte siea nur dringend in ihrer großen Güte die Kinder nicht zu verwöhnen, die beide Hitzköpfe wollen ernst behandelt sein, || sonst sind es ja beide so liebe Kinder, und ich möchte wohl ihre Aeusserungen über das Schwesterchen hören.

Ich denke nächsten Sonntag nach Berlin zu fahren, am Montag mit Bertha ihren Geburtstag zu verleben, und denke bis Montag den 27sten dort zu bleiben; werde dann auch bei Herrn Joachim alles ordnen, es ist Dir doch recht! ich habe das für Dich eingenommene Geld alles in Papieren angelegt? – ||

Mit Deiner Schöpfungsgeschichte bin ich durch, es war mir lieb, sie zu lesen, Anfangs hatte ich darüber meine Bemerkungenb auf beifolgendem Blatt geschrieben; doch ließ ich es später, weil ich dachte, Du würdest Deine Alte auslachen. Beim Lesen war mir es aber oft, als spräche ich mit Dir. –

Grüsse mir Agnes und die Kinder herzlich, und Deiner lieben Schwiegermutter sage nebst herzlichem Gruß meinen Glückwunsch daß es mit Agnes so || gut geht.

Gott behüte Euch ferner und behalte lieb

Deine

alte Mutter

Lotte. ||

In der Vorrede bekennst Du Dich zum c neuen Glauben von Strauß. Seite 8 der Vorträge steht wo der Glaube anfängt, hört die Wissenschaft auf?

Seite 21 kein vernünftiger Mensch nennt die Inquisition christlich, sie ist eine Verrückung des Christenthum, das in keiner Weise zur Inquisition führt, wenn es mit einfältigem Herzen aufgenommen wird. –

Seite 455 verweist Du auf Figur 11 des Tittelblatts, das aber nur 10 Figuren hat.

a eingef.: sie; b gestr.: Gedanken; eingef.: Bemerkungen; c gestr.: Gla

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
14-10-1873
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36548
ID
36548