Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Berlin, 27. August [1869]

Berlin, d. 27ten August

Mein lieber Herzens Ernst!

Von Herzen habe ich Gott gedankt, daß wir endlich gute Nachricht von Dir erhalten haben. Ich kann nicht leugnen: ich habe in der letzten Zeit viel bange Sorge um Dich gehabt, die noch dadurch gemehrt wurde, daß Vater solche Sehnsucht nach Dir hatte. Daß Du so viel Schönes und Interessantes gesehn hast, freut mich sehr; nun dehne es aber auch nicht zu lange aus; Du hast uns schon so lange darauf vertröstet, daß uns diese Ferien gehören sollen, denke doch wie Du uns allen fehlst, und wie wir uns nach Dir sehnen. Bei uns findest Du dann auch hoffentlich Deine Frau und Dein liebes Kindchen. – ||

Wie mir Agnes schreibt denkt sie den 6ten September herzukommen, wie sehr freue ich mich, Dein liebes Kindchen zu sehn. Sie schreibt mir auch sie wie Walter seien sehr wohl; und Frau Gegenbauer ging es besser. Deinen Brief vom 18ten aus Bergen bekam ich erst heute, darum antwortte ich gleich damit Du von uns hörst. –

Vater geht es im Ganzen gut; und ich muß ja zufrieden sein, wenn auch manches anders ist, als ich es für ihn wünsche. In unserem im Ganzen so einförmigen Leben, bringt das Brautpaar mit unter etwas Abwechselung; Clara be-||sucht uns öfter, und Karl kommt auch mitunter; je länger je mehr, bekomme ich die Ueberzeugung, daß für unsern guten Karl das Leben sich neu und wieder frisch gestalten wird, und die Kinder sind sehr zutraulich zur neuen Mutter. Bis jetzt ist die Hochtzeit auf den 18ten September fest gesetzt. Clara wünscht sehr dann nicht gleich in’s volle Haus zu kommen, sondern erst ein paar Tage mit Karl allein zu sein, und so sind sie willens 3 bis 4 Tage zu verreisen. Tante Bertha hat ihnen versprochen unter deß bei den Kindern zu sein. – Tante Bertha ist in Sobernheim und Bonn, will aber 8 Tage vor der Hochzeit hier sein. – ||

Am 6ten September, unserer Mimmi Todestag, will Karl mit Klara auf einen Tag nach Landsberg gehn. –

Richte Dich doch ja ein, daß Du zeitig vor der Hochtzeit hier bist, Du darfst nicht fehlen; Du würdest Karl und Vater tief betrüben, und uns allen fehlen. Vater spricht sich ja jetzt so wenig aus; aber ich habe es in der letzten Zeit, so sehr gemerkt, wie er sich nach Dir sehnt, und welche bange Sorge ihn quält, da wir ohne Nachricht von Dir waren. –

Tante Gertrude ist auch viel leident gewesen, sie mußte die beabsichtigte Reise nach Teplitz aufgeben. – ||

Frau Professor Weiß ist noch in Elster mit Elli und von dort ein paar Tage in Eger gewesen. – Jacobis sind, nachdem er krank war, zur Erholung verreist nach Heidelberg etc. – – –

Hier wird die geographische Gesellschaft am 14ten September eine Feier veranstalten zur Erinnerung an Alexander von Humbold; dieser Tage war das Cirkular zur Unterschrift für die Theilnahme hier, ich sagte dem Bothen, daß Vater nicht kommen würde, aber wenn Du hier wärst, würdest Du mit Karl kommen. ||

Sonnabend. Da die Brief zu Dir so langsam gehen, werde ich Dir wahrscheinlich nicht noch mal schreiben. Gott gebe uns, allen ein frohes Wiedersehn!

Wie immer

Deine alte Mutter.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
27-08-1869
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36536
ID
36536