Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 8. Dezember 1872

Potsdam 8/12 72.

Lieber Ernst!

Herzlichen Dank für die Sendung Deiner Schwammarbeit und Deines Briefes. Die Vorrede habe ich mit Intresse gelesen, und mich gewundert wie Du aus allen Winkeln der Erde Material zu Deiner Arbeit herbei geschafft hast, aber ein Blick in den letzten Seiten des Hefts hat mich schon überzeugt, daß mir wohl das Verständniß für das Buch fehlen wird, schon so viele fremde Wörter und Begriffe. Nun wird wohl mein Herr Sohn sagen: das ist auch nicht für alte Frauen geschrieben! – – –

a Die Zeit wird es ja lehren ob auch was für mich drin sein wird. Jetzt bin ich froh, daß es fertig ist. – ||

Deinen Brief vom 5ten erhielt ich erst heute; aber mein gelehrter Herr Sohn hatte auch Schackstr. Berlin drauf geschrieben, also ist er etwas umher gewandert. –

Deine Versicherung, daß Ihr jetzt alle wieder wohl seid freut mich, aber da habt Ihr wieder ein kleines Lazarett gehabt: verpimpelt mir nur die Kinder nicht.

Das Buch für Deinen Schwager habe ich gleich eingepackt, und werde es morgen zur Post schicken. – Aber nun bekomme ich wohl || eins von der 3ten oder 4ten Auflage. – –

Gestern war der Geburtstag unseres armen Karls, Du kannst denken wie mich das bewegt, – Gott helfe auch dies Leid tragen; aber es ist traurig! –

Dabei quält es mich recht, daß man nichts über ihn hört. – Karl und Clara mag ich nicht oft fragen, sehe ich doch wie schwer sie daran tragen. –

Sonst sind alle wohl, heute war ich zu Mittag dort. Am vorigen Donnerstag Abends; da hatten sie unsere und Claras Verwandte gebeten; Heinerich, Heinerich und Gertrud hatten abgesagt, Bertha Piene war mit Adelheidchen und Tante Bertha hier. – || Letztere kam schon Vormittag und war bei mir zu Mittag. Sie hatte einen Brief von Luis Mölder aus Uttrecht bekommen, der meldet sich mit seiner Frau, und einen Neffen und eine Nichte derselben bei Bertha zum Besuch an vom 22sten December bis zum 4ten Januar. Da wird wohl Tante Bertha zum Heiligabend nicht bei uns sein können, wie sie versprochen hatte.

Grüsse Deine Agnes herzlich und Deinen beiden lieben Kinder gieb einen herzigen Kuß

Ihrer

alten Großmutter

Lotte.

a gestr.: Mit

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
08-12-1872
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36496
ID
36496