Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 18./19. August 1872

Potsdam 18/8 72.

Mein lieber Herzens Ernst!

Mit der größten Sehnsucht habe ich auf Nachricht von meinen lieben Kindern aus Jena gehofft; leider bis jetzt vergebens. Ich hoffe nur, daß Ihr alle gesund seid, und daß Dein Fuß wieder ganz gut ist. In Gedanken lebe ich noch immer mit Euch, und sehne mich recht darnach; Euch bei mir zu haben. Könnt Ihr denn nicht bald herkommen??

Vorgestern war ich ein Stückchen in Sancusie, beim großen Bassain dachte ich recht an Walterchen und Lis-||betchen, wie die beiden lieben Kinder sich freuen würden über die vielen Goldfischchen; ich laß ihnen sagen wenn sie mich besuchen, können sie alle Tage mit Minna hingehn, und die vielen rothen Goldfischchen füttern.

Montag. Gestern Abend war ich zu müde zum Schreiben; heute habe ich wieder vergebens auf Nachricht von Euch gehofft; wenn Ernst zu beschäftigt ist, bitte ich Dich, liebe Agnes: mir nur mit ein paar Wortten zu sagen wie es Euch geht?? Von Karl || hörte ich, daß Student Karl schon wieder in Jena ist, was ist dazu die Veranlassung? –

Die letzten Tage waren etwas unruhig: am Freitag kam die Dr. Krüger, wohnte bei Karl, wie auch Claras Neffe Pösche. Sonnabend war ich zu Mittag bei Karl, Nachmittag fuhren wir nach Baumgarttenbrück, ich hatte einen großen Wagen genommen, daß alle Kinder mit konnten; es war zwar etwas windig, aber schöne Luft. Solche Fahrt ist auch schön, wenn Ihr hier seid. – ||

Auf der Rückfahrt sang Clara mit den Kindern, da war mir es, als müßte Agnes mitsingen. Wenn ich so mit den Potsdamer Kindern zusammen bin, wünsche ich mir immer die Jenenser her. –

Gestern wurde bei mir getaffelt, doch waren nur die 2 ältesten Kinder mit hier, die andern kamen erst nach Tisch. – Frau Doktor Krüger erkundigte sich auch sehr angelegentlich nach Euch. – Heute früh ist sie nach || Danzig heimgekehrt. –

Soll ich den Reisebericht Dir zurück schicken oder ihn aufheben bis Du kommst? – – –

Von Bertha hatte ich einen Brief vom 13ten, Sie denkt den 22sten mit einigen nach Bonn zu kommen, Anna wird mit Auguste und Herrmann wohl erst später reisen können, es soll aber auf der Besserung sein. – Noch mals die Bitte: laßt bald von Euch hören. – Seid alle auf’s innigste gegrüßt von Euerer

alten Mutter Lotte

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
19-08-1872
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36481
ID
36481