Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 19. Mai 1872

Potsdam 19/5 72.

Mein lieber Ernst!

Meinem Versprechen gemäß sollen diese Zeilen Dir Nachricht geben über Karls Befinden, das doch anfängt sich zu bessern, er ist wohl noch sehr reizbar und sieht sehr elend aus, aber sein Kopf ist doch freier.

Heute ist er auch 2 mal ¼ Stündchen im Gartten gewesen, wonach er verlangte und der Doctor es auch erlaubt hat, sonst liegt er noch ganz zu Bette. Er hofft Ende dieser Woche seine Reise nach Ems anzutretten. – ||

Der Doctor wünscht, das Karl so bald es geht die Cur in Ems anfängt, auch, daß Clara mit ihm geht, und die ersten 14 Tage dort bleibt. Karl und Clara wünschten ich solle so lange zu den Kindern ziehen, doch dazu fühle ich mich nicht kräftig genug. Nun hatten sie daran gedacht, daß Bertha so lange bei den Kindern sein würde, die ist aber leider auch krank, hat nicht herkommen können, da sie zu Bette liegt. Natürlich habe ich rechtes Verlangen sie zu sehn, und || denke übermorgen Nachmittag auf ein paar Stunden hin zu fahren. So giebt es bei uns wieder viel Sorge.

Hoffentlich seid Ihr, Lieben, alle gesund und frisch. – –

Heute bekam ich von Dortmund ein Schreiben, worin die Obligationen der Westphalia gekündigt werden, Du hast wahrscheinlich ein gleiches bekommen, und ich denkea b für mich neue Obligationen zu nehmen; Karl will über Dortmund reisen, und meine Obligation mitnehmen; von den || Deinen 2 habe ich hier die Coupons, soll Karl Dir die Deinigen auch besorgen, so schicke sie mir bald rekommandiert her, und sage ob Du neue willst oder die Stückzahlung nimmst. –

Grüße Agnes, Karlchen und die Kinder herzlich von Deiner alten

Mutter Lotte.

a gestr.: wollte; eingef.: denke; b gestr.: Dich

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
19-05-1872
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 36465
ID
36465