Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Agnes und Ernst Haeckel, Berlin, 9. Januar 1872

Berlin 9/1 72

Liebe Kinder!

Diese Zeilen sollen Euch zum morgenden Geburtstag meine herzlichsten Wünsche bringen, da unser Mädel selbst sie noch nicht versteht, so müßt Ihr sie für sie in Empfang nehmen. Gebe Gott ihr ferner Gedeihen, daß sie gesund bleibe und zur [!] Euerer Freude heran wachse und gedeihe; und mithelfe, Euer häusliches Glück zu mehren. – Es ist mir sehr leid, daß ich das liebe, kleine Ding noch nicht gesehn habe. ||

Mein Geschenk für unser liebes Geburtstagskind behalte ich mir vor, ich werde erst sehn was sie anderweitig bekommt, damit es nichts Unnützes ist. –

Gestern, meine liebe Agnes, erhielt ich Deinen Brief, wofür ich herzlich danke. Der Schrank mit den Sachen ist noch nicht abgegangen, da ich noch immer auf den Tischeler wartte, der ihn umschnüren soll; ich habe daher gestern noch gleich Thee holen lassen und eingepackt. Die Etiquets zum Wein || sind in dem Packet, worin das Schriftchen über Schleichert und die zum Lesen gesandte Briefe zurück kommen –

Von den Potsdammern habe ich niemand gesehn, gestern erhielt ich von Karl ein paar Zeilen, worin er schreibt, er dächte in den nächsten Tagen mal Nachmittags ein paar Stunden herzukommen, ich hoffe aber er wird erst besseres Wetter abwartten, sonst könnte er sich wieder krank machen. – Clara schrieb mir auch, daß jetzt alles gesund sei. ||

Seit Donnerstag habe ich Waschvergnügen, was noch erhöet wird da es bei dem nassen Wetter nicht trockenen will, so daß ich heute erst einen Theil habe Rollen können, nun das sind ja Dinge, die zu übersehn sind. Nun wünsche ich Euch, Lieben, allen noch eine gute Nacht; seid morgen recht vergnügt und gedenkt auch Euerer

alten Mutter

Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
09-01-1872
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36445
ID
36445