Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Berlin, 23. Oktober 1871

Berlin 23/10 71

Lieber Ernst!

Heute früh erhielt ich Deinen Brief; indeß wird unser Student hoffentlich jetzt glücklich in Jena angekommen sein. Die Ursache weshalb ich Dir gleich heute schreibe ist ein eben erhaltener Besuch von Otto Merkel, der Dich grüssen läßt und Dir folgendes durch mich berichtet: Otto Merkel hat einen Steinbruch bei Bernburg gekauft, bei dessen Bearbeitung er viel Versteinerungen gefunden; unter andern einen großen Fisch, || der beim Spalten des Steins in 2 gleiche Theile geschnitten sind; Otto hatte diesen Fisch mit noch anderen Versteinerungen a gezeigt bei der Naturforscherversammlung in Bernburg, und da habe ein Professor aus Halle sich die eine Hälfte mitgenommen und gesagt: es sei ihm sehr merkwürdig bis jetzt habe er nur Schuppen zu untersuchen gehabt; dann sei aus Leipzig ein Professor gekommen || und habe gebeten um die andere Hälfte für das dortige Museum, Otto hat ihm aber gesagt: er habe Dir den Fisch versprochen. –

Otto sagte er habe noch viel Versteinerungen gefunden: viel Köpfe wie vom Krokodill flach; dann viel mit spitzen Kopf wie vom Vogel. – Otto läßt Dich bitten, ob Du ihm nicht ein Buch angeben könntest, aus dem er sich unterrichten könne, wie er diese Sachen ordnen könne, er will mehr sammeln. – ||

Otto will Dir bald selbst schreiben, er bat mich nur, Dir dies vorläufig mitzutheilen. Wenn Du mal an Otto schreiben wolltest so genüge die Adresse an Merkel in Bernburg. –

Zu der Beendigung Deiner Schwammarbeit wünsche ich Dir Glück, auch freut es mich, daß Ihr solche schöne Partie nach der fröhlichen Wiederkunft gemacht habt.

Grüsse Agnes, Karl und Walter herzlich. Behalte lieb

Deine

alte, arme

Mutter Lotte.

a gestr.: aus

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
23-10-1871
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36429
ID
36429