Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Berlin, 17. Oktober 1871

Berlin 17/10 71.

Lieber Herzens Ernst!

Als ich eben vom Kirchhof kam, wo ich mit Bertha war, erhielt ich Deinen Brief, wofür ich herzlich danke, wie für Deine Liebe und Sorgfalt. Unsere Briefe haben sich wieder gekreuzt, aus meinem wirst Du ersehn haben, daß ich noch entschieden mich am beßten finde, wenn ich still für mich bin, ich danke Dir daher auch herzlich für Deinen liebevollen Vorschlag, jetzt nach Jena zu kommen. Auch bitte ich keine Bilder zu schicken. ||

Daß Ihr, Lieben, alle gesund seid, freut mich, Gott behüte Euch ferner. Daß Du wenig Geschmack an Actenarbeit findest, ist natürlich, Dir aber sehr gesund, es mal zu kosten; um so dankbarer wirst Du Deine gewöhnlichen Berufsarbeiten machen. − Mit dem neuen Mädchen, die ich freilich erst seit Sonnabend habe, scheint es ganz gut zu gehn. –

Ich habe immer vergessen Dich zu fragen, wie Du es mit dem Wein haben willst, ich habe bis jetzt || keine Bestellung gemacht, für mich werde ich jetzt nicht bestellen, wünscht Du welchen, so ist es hohe Zeit, ehe es friert; und wenn Du willst, will ich Dir welchen bestellen dann mußt Du mir aber genau sagen, was Du wünscht.a – oder Dir die Adresse schicken von dem Hause, wo wir seit 48 Jahren den Wein bezogen haben; der wird Dich gut bedienen.

Heute besuchte mich auch Gottschling, der Dich und Karl grüssen läßt. –

Bertha denkt künftigen Freitag an ihrem Geburtstag nach Potsdam zu gehn, weil sie die Gratulationsvisieten vermeiden will. – ||

Daß Karl eine Wohnung hat, habe ich Dir wohl geschrieben, und ist mir eine große Beruhigung, für mich wird sich ja bis Ostern auch was finden und hoffentlich in der Nähe. –

Meine Wohnung hier ist vermiethet, da hört doch das ewige Besehn auf. – Heinnrich ist Sonntag Abend mit August Jacobi nach Potsdam zurück gegangen, der dort Schwurgerichtssitzung hat. – Mutter Minchen ist vor einigen Tagen hier durch gereist, ich habe sie nicht gesehn, da sie von einem Bahnhof zum andern gefahren ist. –

Grüsse Agnes und die Kinder herzlich von Deiner Dich

so innig liebenden Mutter.

a mit Einfügungszeichen eingef. am unteren Rand von S. 3:Dann mußt Du … was Du wünscht.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
17-10-1871
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36427
ID
36427