Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Berlin, 26. September 1871

Berlin 26/9 71.

Lieber Ernst!

Da wir in den letzten 8 Tagen viel Sorge gehabt, muß ich Dir doch heute schreiben, daß es etwas Besser geht. Karls Erkranken hat uns großen Kummer gemacht; da es auch ein Anfall von Difteritis war; wie mir aber gestern Clara versicherta, die gegen Abend einen Augenblick hier war, um nach Vater zu sehn, ist es jetzt mit Karl auf der Besserung. ||

Seit vorigen Mittwoch fand sich bei Häckel wieder der Schlucken ein, dabei ist er sehr schwach und matt; heute Nachmittag als nun Quincke kam, war er mit dem Pulz zufrieden, und meinte so wie er Häckel kenne, würde er sich wieder gesund schlaffen; in den hohen Jahren sei jede Erkältung eine Krankheit. Wir wollen das Beßte hoffen; aber || es war mir doch, als müßte ich es Dir schreiben. Es hört sich immer ängstlich an, wenn Vater im Schlaf so stöhnt, wenn er aber bei Besinnung ist, und [ich] ihm [!] frage, ob er Schmerz habe, sagt er immer: nein –

Er genießt sehr wenig. Der Enkel Karlb ist seit gestern hier bei uns, er kam früh mit Herrmann zu Conrad Jacobis Einsegnung. Hermann ging Abends zurück, Karl blieb bei uns da er Donnerstag || zur Abiturienten Entlassung nach Freienwalde muß. Hoffentlich seid Ihr, Lieben alle gesund, und feiert heiter den Geburtstag Eueres herzigen Jungen, an den ich viel denke. Gott behüte Euch alle. Seid herzlich gegrüßt von

Euerer

alten Mutter

Lotte.

a korr. aus: versichten; b eingef.: Karl

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
26-09-1871
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36424
ID
36424