Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, [Berlin, vor 26. Oktober 1871]

Mein lieber Ernst!

Den Zeilen an Deine Agnes muß ich doch noch einen speziellen Gruß an Dich beifügen; wie oft sind meine Gedanken mit Dir beschäftigt; und ist es mir als müsse ich Dir auch alles sagen, was gemacht wird oder werden muß.

So schwer es mir auch wurde machte ich mich doch gestern auf, um die Besorgungen bei der Pentionskasse in Ordnung zu bringen. Ich ging erst zu Bertha, die sich dann auch erbot für mich einige Gänge zu || machen, wegen eines Mädchens; auch erbot sie sich das andere zu besorgen, was ich aber nicht annahm, da ich das alles fremd ist. Es war auch gut, daß ich selbst ging, der Beamte dort, der früher Vater kannte, war sehr freundlich, und gab mir über alles Auskunft; setzte mir auch auf, wie ich für den Gnadenmonat Quittung schreiben mußte, wozu er mir das nöthige gab, || so daß ich dort gleich das Geld erheben konnte. Für den Sterbemonath wird es erst ausgezahlt nach Einsendung des Testaments.

Gestern Nachmittag brachte denn auch der Küster die Berechnung von der Beerdigung, und ich habe das in Ordnung gebracht, auch noch 2 Todtenscheine bestellt und bezahlt für die Sackschestiftung und für die Witwehnkasse. So sind für jetzt diese Geschäfte erledigt. Dann schickte mir Tante Bertha ein Mädchen her, die ich gemiethet habe. ||

Friedrich macht sich fortwährend gut, so daß ich viel Hülfe habe, es ist ein wahres Glück, daß Wilhelm fort ist. –

Du siehst, mein lieber Ernst, daß ich mich bemühe, die Sachen zu erledigen, die gethan werden müssen. –

Die Leere die in mein Leben gekommen, da mir die Hauptarbeit genommen, muß ertragen werden; habe ich doch noch Gott zu danken für liebe Kinder und Enkel. –

Wie immer Deine

alte Mutter Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
vor dem 26.10.1871
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36410
ID
36410