Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Berlin, 10. Dezember 1868

Berlin d. 10ten

December 1868.

Mein lieber Ernst!

Heute früh erhielt ich Deinen Brief von gestern und freue mich, daß mein jenasches Kleeblat gesund ist, haltet Euch nur ferner so.

Vaters Zustand ist, nach meiner Ansicht nicht schlimmer, eher etwas besser, doch wechselt es so oft, daß ich immer kaum weiß was ich Euch schreiben soll; gestern hat er sehr viel geschlaffen und auch heute; die vergangene Nacht war entschieden besser als alle vor-||herige seit er krank ist, einmal mußte ich ihn umher führen, doch hat er auch etwas geschlaffen, und heute früh war er ganz gut und wohlgemuth, später im Tage war er viel mißmuthig und verstimmt; jeden Falls bin ich dankbar daß die Beklemmungen oder Beängstigungen, wie soll ich es nennen, nicht mehr so heftig und peinigend sind, es war so schrecklich ihn so leiden zu sehn, und nichts zu seiner Erleichterung || thun zu können. –

Auf Dein Kommen freut er sich sehr, und gewiß nicht weniger Deine alte Mutter. –

Wenn ich nichts näheres von Dir höre, so erwartte ich Dich künftigen Mittwoch Abends; kann ich, so schicke ich Dir Friedrich auf den Anhaltschen Bahnhof. Gott gebe, daß Du unsern lieben Kranken dann noch besser findest, als jetzt. – Quincke war heute früh mit Vaters Zustand zufrieden; der Kranke selbst weniger; doch das || kennen wir ja an ihm. –

Mit dem herzlichsten Gruß an Agnes

Deine

Mutter Lotte

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
10-12-1868
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36382
ID
36382