Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Berlin, 5. Dezember 1868

Berlin d. 5ten

December 1868.

Mein lieber Ernst!

Gestern hörte ich von Bertha: Deine liebe Frau sei krank, was sie von Deiner Schwägerin Marie Reimer gehört habe.

Recht sehr betrübt es mich, wenn Du auf’s neue Sorgen haben solltest, da Du Dich noch in Deinem letzten Brief, so beglückt aussprachst, daß es Dir, Deiner Agnes und Euerem kleinen Walter so gut gehe. Hoffentlich ist Agnes Unwohlsein nur vorüber gehend; bitte sage mir bald || wie es Ihr geht; aber aufrichtig.

Wir haben hier sorgenvolle Tage verlebt, und leider kann ich Dir noch nicht sagen, daß es viel besser sei: Vater bekam in der Nacht vom Sonntag zum Montag große Beängstigungen; ich ließ früh Quincke ruffen, der sogleich kommt etc. Im Ganzen ist noch wenig Besserung eingetretten, besonders schlimm sind die Nächte; dann sind die Beklemmungen viel schlimmer, als || am Tage. Gott gebe baldige Besserung, ich dachte ich müsse es Dir doch schreiben, damit Du nicht zu sehr erschrickst, wenn Du Vater krank findest. Auf Dein Kommen freut er sich sehr. Karl ist Sonntag, wo er mit Frau Oberheim hergekommen war, Abends wieder zurück gefahren, und hat Herrmann und Heinnrich mitgenommen; Donnerstag früh ist Bertha hingefahren und hat die 3 kleinen Jungen mitgenommen. Nachmittags hat Karl sie zurückbegleitet und ist Abends || wieder nach Potsdam gefahren; Vater hatte solche Sehnsucht nach ihm, und Quincke sagte ich solle ihm schreiben, daß er kommen solle. Es ist doch sehr schön, daß wir ihn so schnell haben können. –

Vorgestern Abend ist der Präsident Lette gestorben. – Auch Frobenius ist gestorben. –

Karo war mit Gottwalt hier zum Schleiermacherfest, an Vaters Geburtstag kam er und meldete sich zu Mittag an, beide Vater und Sohn waren vorigen Sonntag bei uns. – Grüsse Agnes herzlich

von Deiner alten Mutter Lotte ||

Eben war Quincke hier, und findet Vaters Zustand viel besser, ist mit dem Pulz sehr zufrieden, der nicht mehr so viel aussetzt; er sagte wenn Vaters [!] morgen so viel besser als heute sei, wie er seit gestern sich gebessert habe, so könne er morgen etwas ausfahren. || Vater grüßt Dich und Agnes herzlich. – Gott gebe uns ein frohes Wiedersehn. –

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
05-12-1868
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36379
ID
36379