Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Berlin, 4. Mai 1869

Berlin d. 4ten

Mai 1869.

Mein lieber Ernst!

Von einem Tage zum andern habe ich gehofft Nachricht von Dir zu erhalten, aber immer vergebens. Was machen denn meine Jenenser Kinder? Hoffentlich bist Du mit Frau und Kind gesund. Du bist wohl sehr beschäftigt mit Räumung Deiner Sammelungen, aber ein paar Wortte kannst Du mir doch wohl schreiben. Soll ich Dir nicht das Zeug schicken, was ich für Dich zum Sommeranzug liegen habe? ich dächte Du ließt es Dir doch || machen; ich glaube es wird Dir recht sein täglich zu tragen, es ist etwas dunkler als Dein vorjähriger Anzug. –

Mit Vaters Gesundheit wird es auffallend besser: wir waren vorigen Mittwoch in Potsdam, zum glück war an dem Tage noch schönes Wetter; wir gingen von hier zum Bahnhoff und in Potsdam vom Bahnhof bis zu Karls wohnung. Nachmittag fuhren wir mit allen Kindern Karl und Frau Oberheim zum || Neuengartten, alles war in schönster Blütenpracht, bei der Meierrei tranken wir Kaffe, gingen durch den Garten bis zur Brück, wo wir die Droschken wieder bestiegen, und durch Glienicke, um den Babelsberg zum Bahnhof fuhren hier gingen wir wieder bis zu unserer Wohnung und das alles hat Vater ganz gut machen können und es ist ihm auch gut bekommen. – Du kannst denken wie ich glücklich || bin, daß sich Vater so erholt hat. Vorigen Freitag waren wir zu Mittag bei Gertrude. Auch das ist ihm gut bekommen, und er war heiter. –

Mariechen Bleek ist mit ihren 3 Kindern hier, sie sehen alle sehr wohl aus, und es sind recht nette natürliche Kinder. –

Theodor sollte heute kommen, ich weiß aber nicht ob er gekommen ist. – Grüße Deine Frau herzlich von mir, und Eurem kleinen Schatz gieb einen Kuß von Deiner alten Mutter

Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
04-05-1869
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36373
ID
36373