Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, [Berlin, 29. Mai 1869]

Lieber Ernst!

Durch Deinen Brief hast Du mir eine große Sonntagsfreude bereitet; für eine Mutter ist ja die größte, wenn ihre Kinder zufrieden und glücklich sind; am liebsten hätte ich Dir gleich geschrieben; aber ich konnte nicht dazu kommen. Montag erhielt ich nun auch die 5 Exemplare über Arbeitstheilung, Frau Weiß hatte sich zu Mittag bei uns angemeldet, da übergab ich ihr gleich ihres, Helehne || besuchte mich, so konnte ich es ihr auch mitgeben, Montag Nachmittag kam Karl, der zum Abend bei Bertha gebeten war, dem übergab ich das für ihn bestimmte, und das für Bertha. Aber denke Dir mal: ich habe das unserige noch nicht mal ganz lesen können; so weit ich aber gekommen bin, gefält es mir sehr und ich danke Dir recht schön. Daß Du, mein lieber Ernst so zufrieden mit den neuen Geschäfts-||räumen bist, freut mich sehr, wie Deine Agnes mir schreibt, hast Du vom Großherzog darin Besuch gehabt, war denn Dein Landesherr gnädig? – – –

Ich habe mich sehr gefreut, daß Agnes mir geschrieben hata und daß Ihr so zufrieden und glücklich seid. Du schreibst mir das Clavier stehe nun wieder in Deiner Stube; aber benutzt Ihr es denn auch wohl? Das solltet Ihr doch nicht ganz unterlassen, später thut es Euch leid. Freut sich Walter wenn || er Musik hört? –

Heute (Sonnabend) wird Mutter Minchen erwarttet, sie ist noch bei ihrem Sohn Karl gewesen, dort soll es Mutter und Kind gut gehn, sie nährt ihr Kindchen. – – –

Vater ist gesund und grüßt Euch herzlich.

Zum ersten Zähnchen Deines Kindes muß ich Dir doch noch besonders Glück wünschen. Schreibe mir nur bald wie es Frau Gegenbauer geht? grüsse ihn herzlich, er soll nur nicht gleich so muthlos sein. Wie immer Deine Mutter

Lotte

a korr. aus: habt

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
25-05-1869
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36359
ID
36359