Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Landsberg, 17. Juni 1867

Landsberg d. 17 ten

Juni 1867.

Mein lieber Herzens Ernst!

Gottes reicher Seegen sei mit Dir auf Deinem Lebensweg. Wie innig freue ich mich, daß Du nun wieder eine Gefehrtin gefunden hast, die mit Dir in treuer Liebe Freud und Leid theilen wird; und von ganzem Herzen ist mir Deine Agnes als Tochter willkommen, wenn sie Dich so glücklich macht, als ich es Dir wünsche.

Heute wirst Du nun wieder Deine Colegien angefangen haben, und || da ist es gut, daß Du Deine Herzens Angelegenheit vorher in Ordnung gebracht hast, und da bist Du ja viel früher an’s Ziel gekommen, als Du hier dachtest. Als Sonnabend von Jena die Depesche kam, bekam ich einen rechten Schreck, denn da ich Dich noch in Berlin glaubte, dachte ich es sei irgend eine unangenehme Nachricht aus Jena für Dich, wie freute ich mich, daß es nun solche gute war; und mit welcher Sehnsucht erwarttete ich Deinen Brief, || der dann auch gestern richtig ankam; aber wie viele Fragen hätte ich gerne noch von Dir beantworttet erhalten; doch, so Gott will, sehen wir uns ja bald; und wie freue ich mich, Dich dann so glücklich wieder zu sehn. Nun bringst Du doch, wenn Du uns in Apolda abholst, Agnes mit. Wenn nichts dazwischen kommt , reisen wir den 6 ten July ; und ich schreibe dann nicht nochmal vorher. ||

Bei der Nachricht Deiner Verlobung war unter den Kindern großer Jubel. Heinnrich meinte gleich: nun will mich auch verloben mit Dir, Großmutter, Juno rief dann: ich auch mit Großmutter. Auch die Bekannten nahmen herzlich Theil , Sturms waren heute hier, und bringen Dir ihren Glückwunsch. –

Grüsse Agnes und ihre liebe Mutter auf’s herzlichste von mir. Du wirst wohl jetzt nicht gerne lange Briefe lesen, daher schließ ich; aber lieb behalten muß t Du doch

Deine alte Mutter .

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
17-06-1867
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36278
ID
36278