Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Anna und Ernst Haeckel, Berlin, 23. Februar 1863

Berlin, 23sten Februar 63.

Lieber Ernst und Anna!

Gestern erhielten wir die sehnlichst erwartteten Briefe von Euch und Karl. Recht herzlich freue ich mich, daß es Euch so gut geht. Gott erhalte Euch noch lange ungetrübt Euer häusliches Glück, und daß Ihr auch gemeinsam mit gutem Muth und Gottvertrauen einst die schweren Stunden des Lebens muthig tragt; die ja auch im glücklichsten Verhältniß Keinem erspart sind. –

Wir sind gesund, haben aber in der letzten Zeit viel unruhiger gelebt, als seit Jahren: || wir sind oft ausgewesen oder haben kleine Gesellschaften bei uns gesehn. Hoffentlich wird es bald ruhiger, doch ist noch nicht viel Aussicht dazu in den nächsten Tagen. –

Theodor Bleek hat sich mit Marichen Sethe in Potsdam verlobt, und wird wahrscheinlich Mittwoch zu Onkel Julius Geburtstag hinkommen. Wir werden auch hin, a aber schon Nachmittags 5 Uhr zurück fahren, weil wir nicht gerne das Con-||zert vom Gustav Adolf Verein versäumen wollen, was Abends sein soll. Gestern waren wir zu Mittag bei Maassens, Häckel und ich Clara hatte gedankt, da sie Abends bei Tante Sack zu einer Tanzpartie eingeladen war, wovon sie um halb eins erst sehr befriedigt zurück gekommen ist. Künftigen Sonnabend wird in Freienwalde Taufe sein, wir denken schon Freitag hinzufahren, Karl kommt mit Mutter Minchen auch Freitag. || Vonb folgendem Brief an Dich von Herrn Weber habe ich das Couvert abgenommen, werde aber das Geld erst zahlen wenn Du schreibst. Ich habe im Adreßkalender nachgeschlagen, es ist doch der Herr Weber in der Französischen Straße Nummer 39 und 40. Da Du über Geldmangel klagst, so schicke ich Dir hierbei 25 Thaler, wir können später alles zusammen berechnen. −

Nun seid beide aufs herzlichste gegrüßt

von

Euerer Mutter

Lotte.

a gestr.: und; b eingef.: Von

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
23-02-1863
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36202
ID
36202