Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Berlin, 16. – 21. Februar 1853

Berlin 16/2 53.

Mein lieber Herzens Junge!

Soviel habe ich heute schon an Dich gedacht, daß ich wenigstens einen Brief anfangen muß, wenn auch nicht viel daraus wird; es that mir so leid, daß ich Sonntag nur so wenig schreiben konnte, und Du daher heute nur ein paar Wortte von Deiner Mutter bekommen hast; aber ich weiß es, Du hast es doch empfunden wie lieb Dich Deine Alte hat. Möge || Gott mein Gebet erhören; dann wird Dirs recht wohl gehn.

Heute früh fanden wir auf dem Frühstückstisch einen kleinen Kuchen mit einem Sträuschen von Mirthe und Lorbeer, darauf von Tante Berthas Hand: es lebe das Geburtstagskind! – Dann kamen Briefe aus Ziegenrück; das war wohl eine schöne || Geburtstagsfeier. – Unsere lieben Ziegenrücker sind gesund und munter. –

d. 18ten An Deinem Geburtstage waren Vater und ich in der Singakademie, wo wir die Jahreszeiten hörten. Als wir zu Hause kamen machte ich rasch Punsch, und wir nahmen die Bohle und Pflaumenkuchen mit zum Großvater, und verzehrten es gemeinschaftlich auf Dein Wohl; wie sehr wir unsern Herzens Jungen zu uns wünschten || kannst Du denken. Zunächst muß ich Dir nun sagen, daß es mit unserer lieben Bertha gut geht, sie sitzt nun täglich ein bis 2 Stunden in ihrem Stuhl, wie glücklich Großvater darüber ist, kannst Du denken. Vater hat Dir wohl geschrieben, daß Osterwald Freitag Abend erst abgereist ist, und er sich also früh noch mit uns über Deinen Brief freute. Für Dein || Pathchen werde ich alles besorgen; aber wir wollen es dann erst abschicken, wenn Du hier bist.

den 21/2. Mein lieber Ernst!

Gestern erfreute uns Dein lieber Brief, hab herzlichen Dank dafür; dennoch wünschst Du ich solle Dein Pathengeschenk schon bald abschicken, doch dagegen habe ich viele Gründe, die ich Dir mündlich auseinandersetzen werde. – Schon ehe Dein Brief kam, waren Vater und ich beide der Meinung, es würde wohl für Dich am zweckmäßig- || sten sein, daß Du den Sommer in Würzburg bliebest, darin stimmen wir mit einander überein; aber ich wünsche, daß Du Deine Wohnung nicht aufsagst, sondern behältst, da Du eine orndliche Wirthin hast, und auch sonst zufrieden bist, Du meinst die Wohnung sei etwas dunkel, wird das aber im Sommer nicht besser sein? Dann meinst Du es sei für Deine Augen nicht gut, wenn das etwa ist daß Du ein blendendes helles Haus gegen über hast, so können wir dem dadurch abhelfen, dass ich Dir kleine grüne Gardinchen mitgebe die Du anmachst. Dann bitte ich Dich sehr, es nicht auszuschlagen, wenn Schenk Dich zum Assistenten haben will, Du kannst es ja versuchen, siehst Du daß es des Knies wegen nicht geht, so kannst Du es dann immer wieder || aufgeben; doch wollen wir das alles mündlich besprechen; es läßt sich ja dadurch manches erleichtern, wenn Du zum Beispiel zu den entfernteren Orten, wo botanisirt werden soll, führest. –

Das Einmachglas kannst Du Deiner Wirthin lassen. Ich denke aber, Du kommst nach dem Schluß der Kollegien gleich her, dann triffst Du noch hier Deine Freunde, und auf der Rückreise ist die Jahreszeit besser für Merseburg u. Ziegenrück. ||

PS. Deine Zeichnungen kannst Du an Osterwald schicken.a

a Postskriptum auf S. 1 oben: PS. … schicken.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
21-02-1853
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 36109
ID
36109