Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Berlin, 12./13. Juli 1853

Berlin 12/7 53.

Mein lieber Herzens Sohn!

Herzlichen Dank für Deinen sehnlichst erwartteten Brief, der gestern früh hier ankam, was mich um so mehr freute, da Vater ihn noch lesen konnte, der gestern Nachmittag über Potsdam nach Petzow zum Herrn v. Kähne gereist ist, wo er bis Donnerstag bleiben wird.

Daß Du gesund und heiter bist freut mich sehr; auch hat || es mir viel Spaß gemacht, daß Du gerade an meinem Geburtstage Blumen gefunden hast, die Dir lieb sind.

Daß Du den Ziegenrückern auch Wein geschickt hast ist ja ganz nett, ich sagte es schon an Mimis Geburtstag, daß Du es wohl thun würdest; siehst Du ich kenne meinen Jungen wohl besser als er denkt. –

Du sollst aber selbst || Dir auch nicht zu viel versagen, besonders Sorge mir für Deine Gesundheit, iß nur fleißig reifes gutes Obst, ich denke mir das müßtet Ihr dort recht schön haben, vorzüglich Erdbeeren. –

Mußt Du auch zur Reise noch Geld haben, dann schreibe es ja in Zeiten.

Wegen den Büchern die Du bestellt hast ist Vater gestern gleich bei Diedrich Reimer gewesen; || Du wirst sie bekommen. Die Hefte über Friedrich den Großen sind alle vollständig Vater hat es gestern nachgesehen. –

Diesmal erhältst Du von Vater keinen Brief mit, er läßt Dich aber herzlich grüssen. Tante Adelheid geht es immer besser, sie ist sehr betrübt, aber doch wieder gesund, Bertha und Mariechen wohnen noch beim Großvater. Heinrich und Julius werden in den || Ferien wohl eine Reise durch die Sächsische Schweiz mit Theodor machen. –

Hannchen und Lischen Weiß sind seita einigen Tagen hier, eben besuchten sie mich, sie werden übermorgen wohl abreisen. – –

Etwas Hauskreuz habe ich jetzt auch: Auguste ist am 2ten abgezogen, und ich habe mir keine Köchin gemiethet, weil ich mit Luise || bis zur Reise allein fertig werden wollte, nun hat Luise aber seit einigen Tagen Fieber, da plagt es etwas. Dabei erwartte ich Besuch: Freitag kommt Emilie v. Brauchitz zu uns auf ein paar Tage; und später erwartte ich Helehne mit ihrem Kindchen und Amme; nun hoffentlich geht das Fieber bei Luise bald vorüber. ||

Da Du erst den 14ten August abreisen kannst, so werde ich den 15ten reisen, wir treffen dann wohl am selben Tage in Rehme ein.

Vater denkt schon den 3ten August zu reisen; weil dann Karls Ferien sind und sie zusammen mit H. Lindig nach Nürnberg wollen. Tante Bertha geht es fortwährend gut, sie ist jetzt den || ganzen Tag auf dem Balkon. –

Mittwoch Ich weiß nicht, lieber Ernst, ob ich es Dir schon geschrieben habe, daß neulich bei Tante Bertha die Königin der Nacht geblüht hat, und der König schon gestern zum drittenmal, und der hat noch 2 Knospen. Eben ist ein Brief aus Ziegenrück angekommen, unser Pärchen ist an Mimmis Geburtstag sehr seelig gewesen, namentlich schreibt mir Hermine wie sehr || sie sich über Deinen Brief, die Zeichnung und den Wein gefreut habe. Auch schreibt sie daß Karl nun die Ernennung zum Kreisrichter erhalten habe. Vater denkt am 3ten August nach Ziegenrück abzureisen, ich werde mich mit meiner Abreise ganz nach Dir richten; lieb ist es mir wenn es nicht gar zu spät wird; Quinke der eben hier war, und sich nach Dir erkundigte, meinte auf 2 bis 3 Tage || früher oder später komme es nicht an; also sage mir nun im nächsten Briefe genau, wann Du reisen kannst; und wenn ich Dir von hier noch was mitbringen soll; Vaters Mantel werde ich mit bringen, wenn Du ihn etwa beim Baden brauchst.

Vergiß Du nicht Schach- und Dominospiel. Ich freue mich recht, daß ich einige Wochen mit Dir || werde leben können, und wie schön wird es sein, wenn wir zusammen in Ziegenrück sein werden. – –

Dann wollen wir uns mal recht nach Herzenslust ausplaudern, Deine Alte kann sich schriftlich so immer nicht recht aussprechen. –

Tante Gertrude wird auch verreisen, und zwar von hier nach Bonn, wo sie mit Loui || und dessen Frau zusammen sein wird, mit denen sie den Rhein hinaufreisen wird, und dann sie auch in Holland besuchen wird. Denke Dir die Wichtigkeit, und welche Vorbereitungen das erfordert. –

Nun, leb wohl, mein Herzens Ernst, halte Dir frisch und gesund, und denke zuweilen an Deine alte

Mutter.

a eingef.: seit

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
13-07-1853
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 36100
ID
36100