Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Anna und Ernst Haeckel, [Berlin, 16. Oktober 1862]

Liebe Kinder!

Seit ich weiß, daß Ihr endlich Eure Sachen habt, und in Eurer Wohnung seid, bin ich viel ruhiger. Nun, Gott gebe seinen Seegen, daß Euere Leben auch ein Steinchen an dem großen Gottes Bau sei, zu seiner Ehre und Preis.

Helehne brachte mir heute Mittag Euern Brief als eben die Weiß hier war, die sich freute von Euch zu hören, und schön grüßt. || Mit Helehne habe ich die Sachen taxirt, und H. hat die Kleinigkeiten eingepackt. Da meine Kistchen alle zu groß waren, so habe ich gleich nach Tisch noch eine Kiste gekauft und dann eingepackt; Annas Hausfrauen Herz wird sich hoffentlich über den schönen Scheuerlappen freuen. Als ich schon zugenäht hatte fand ich unter || den Pappieren noch ein kleines Knöpfchen wie ein Damenbrett. Wiederaufmachen konnte ich deshalb die ganze Geschichte nicht, ich habe es nun in Annas Nähtischchen gelegt. In dem Kasten mit Messer und Gabel von Adolph Schubert findest Du in ein Pappier gewickelt 50 Th, das ist der erste ¼jährige Zuschuß || also vom 18ten August bis 18ten November. Die 3 Th für Fracht können wir später berechnen. Habe ich Dir etwa die Rechnung für die Glassachen geschickt, ich habe 6 Th und 3 pf dafür ausgelegt, Du mußt die Rechnung doch haben, da ja die Sachen meistens für das Museum sind; hast Du sie nicht, so schreibe, ich suche dann bei mir. ||

Zum Ausfüllen des Kistchens habe ich noch 2 paar neue Wollene Socken gepackt und 1 paar alte Baumwollene, von letzteren habe ich hier noch mehrere einzelne gefunden, ich bitte, daß Anna die einzelnen, die sie dort findet Weihnachten mit her bringt wie auch was sonst von Deiner Wäsche noch kaput ist, daß ich es kann zurecht machen. || Heute früh war August Merkel hier dem sein Aufenthalt in der Schweiz sehr gut bekommen ist, er läßt schön grüßen. Beim Auspacken seid ja vorsichtig, die Glasnäpfchen aus dem Salzfäßchen stecken in dem Seidel.

Nun seid noch aufs innigste gegrüßt von

Eurer

alten Mutter

Lotte

Sonnabend ist das erste Gustav Adolphs Konzert.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
16-10-1862
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 36089
ID
36089