Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Merseburg, 27. Juli 1845

Merseburg d. 27ten July 1845.

Lieber Ernst!

Wie sehr, mein lieber Ernst, habe ich mich gefreut, als Dein Brief kam, und ich daraus sah, daß Du gesund und munter bist. Gott erhalte Dich auch ferner so; daß Du frisch zu uns zurückkehrst.

Daß Du so viel Schönes und Herrliches in Gottes Natur siehst, freut mich recht; genieße es dankbar; nimm Dich aber auch recht in Acht; daß Du vor allem nie trinkst, wenn Du warm bist.

Denkst Du denn auch fleißig an uns, und || an die Ermahnungen, die ich Dir beim Weggehn gab; daß Du immer recht aufmerksam auf Dich und Dein ganzes Betragen bist; dadurch kannst Du auch nur Deinen Dank beweisen für die Güte des H. Gude, daß er Dich mitgenommen, und seiner Aeltern, daß sie Dich so freundlich bei sich aufgenommen; ich hoffe, daß wird mein lieber Ernst recht erkennen.

Mir fehlt mein alter Junge sehr, in den ersten Tagen Deines Wegseins war mir es immer, als wärst || Du in der Schule, und müßtest zu Hause kommen. Nun freue ich mich schon recht auf Deine Heimkehr. Von Karl haben wir einen Brief gehabt, er ist gesund, läßt Dich grüßen und dankt Dir für Deinen Brief. Karl war in Mainz gewesen um einer Assisensitzung beizuwohnen, da hat er auch Tante Minchen in Wisbaden besucht. Vorigen Mitwoch waren Dryanders bei uns, und hatten beide Kinder mit, Friedrich fragte gleich nach Dir.

Deine Blumen habe || ich orndlich besorgt, wie Du es wünschest. Vater wird wohl Dienstag a in Geschäften nach Magdeburg reisen, da wird mir es recht einsam sein.

Empfiehl mich unbekannter Weise den Eltern von H. Gude, wie auch H. Gude und H. Kandidat Böhme. Nun, lebe wohl, mein lieber, alter Junge, kehre gesund zu uns zurück, sei heiter, und denke fleißig an

Deine

Dich so herzlich liebende

Mutter

L. Häckel.

a gestr.: geg

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
27-07-1845
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36073
ID
36073