Haeckel, Carl Gottlob

Carl Gottlob Haeckel an Ernst Haeckel, Landsberg, 17./18. Juni 1867, mit Nachschrift Charlotte Haeckels

Landsberg

Montag Vormittag

17 Juni 1867.

Lieber Ernst!

Gestern Nachmittag haben wir Deinen [Brief] von Vorgestern erhalten, worinn Du uns Deine nähere Erklärung an Agnes und wie sie zu Eurer beiderseitigen Befriedigung ausgefallen mittheilst. Sie hat mir sehr wohl gethan, und ich bin ganz mit Dir einverstanden. Ich war nach Emiliens Tode 5 Jahre unverheirathet und konnte zuletzt diese vereinsamte Stellung nicht mehr aushalten und Gott hat zu meiner 2ten Verbindung mit Deiner lieben Mutter seinen Segen gegeben. Er wird auch bei Dir nicht ausbleiben. Etwas andres ist es allerdings, wenn aus erster Ehe Kinder vorhanden sind. Aber auch in diesem Falle, wenn der Mann noch in jungen Jahren ist und die Kinder erst erzogen werden sollen, [wird] die 2te Ehe ein Bedürfniß sein, da eine bloße, wenn auch brave Erzieherin die Mutter nicht ersetzen kann und dem Manne doch immer die innre geistige und gemüthliche Gemeinschaft mit der Frau fehlt. Erst für die spätern Lebensjahre bleibt auch ein Unverheiratetbleiben eines Witwers natürlich, indem alsdann die Liebe der herangewachsen Kinder den Mangel der hingeschiedenen Frau ersetzen kann, wie dieses bei Deinem Großvater Sethe der Fall war.

Grüße und küße Deine Agnes aufs herzlichste von mir. Wir denken übermorgen den 19ten von hier abzureisen und bis zum 6 Juli in Berlin zu bleiben, wo Du uns dann mit Deiner Agnes in Apolda abholen kannst. Carl will gegen den 20 Juli Urlaub nehmen und dann nach Jena kommen, um dann mit dem kleinen Carl an den Rhein zu reisen. Da denke ich mir nun die Sache so, daß Deine Hochzeit gefeiert wird, wenn Carl nach Jena kommt. Mitte August gehen Deine Collegien zu Ende, a dann treten die Profeßoren ihre Herbstreisen an, und dann wirst Du wohl auch mit Deiner Agnes eine Reise machen wollen, um ihr vielleicht den Rhein oder was Du sonst im Sinn hast, zu zeigen.

Für heute genug. Grüße und küße Deine Agnes aufs Herzlichste von Deinem

Dich liebenden Vater

Haekel ||

[Nachschrift Charlotte Haeckels]

Dienstag

Diese Zeilen an Dich sollten gestern Abend weg gehn, da aber Vetter Brunnemann hier war und bis 11 ¾ Uhr blieb, ging es nicht, nun ist es recht gut, da diesen Nachmittag Dein Brief kam; alle freuten sich sehr über Agnes Bild; Frau Oberheim läßt Dich noch besonders grüßen, und freut sich sehr mit uns über Dein Glück. Von Tante Bertha hat Karl heute früh auch ein paar Zeilen mit Glückwunsch, sie meint Deine Verlobung sei ein rechter Lichtstrahl in dem vielen Trüben und Traurigen. – Nun gute Nacht, seid beide aufs innigste gegrüßt von

Eurer Mutter.

a gestr.: tr

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
18-06-1867
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35946
ID
35946