Haeckel, Carl Gottlob; Haeckel, Charlotte

Carl Gottlob Haeckel an Ernst Haeckel, Bonn, 23. August 1856, mit Nachschrift von Charlotte Haeckel

Bonn 23 August 56

Nachmittags

Lieber Ernst!

Heute Mittag sind wir bei Bleek’s angekommen, nachdem wir am Dienstag von Aurich weggefahren sind. Wir giengen Mittwoch von Emden nach Dortmund, ich besah mir dort die Anlage der Westphalia. Donnerstag Früh und Nachmittag reisten wir nach Bochum, übernachteten dort und besuchten Freitags Unzer’s auf ihrem Gute Dornburg, fuhren aber Nachmittags noch nach Düsseldorf, wo wir vorige Nacht zubrachten und heute Vormittag hieher fuhren. Deinen letzten Brief, worin Du von der Mitreise Bekmanns nach Nizza schreibst, erhielten wir noch Dienstag früh in Aurich kurz vor unsrer Reise. Du schreibst darin, daß etwa noch 110–120 florin für den Aufenthalt Bekmanns in Nizza fehlen. Dies sind ohngefähr 80 rℓ. Von diesen 80 rℓ will ich nun die Hälfte, also 40 rℓ, übernehmen. Die übrigen 40 rℓ zuzuschießen habe ich Adolph Schubert aufgefordert, von welchem Du wahrscheinlich, wenn er in Kiel zuhause gewesen, Nachricht erhalten wirst. Ist er verreist gewesen, so zweifle ich nicht, daß er dennoch jene 40 rℓ zuschießen wird, da er in solchen Dingen sehr liberal und honett ist. Er hat z.B. Jahre lang viel für Teuscher gethan. Ich halte nun auf diese Weise Bekmanns Mitreise nach Nizza für gesichert, wünsche aber, ehe ich die 40 rℓ für Bekmann an Dich ab schicke, noch zu wißen: ob Du etwa jetzt schon Geld zur Reise brauchst; indem ich dieses dann a jenen 40 rℓ beilege? Auch werde ich an Joachim nach Berlin schreibenb, daß er Dir bald einen Creditbrief von 200 rℓ zuschikt, worauf Du in Nizza nach Bedürfniß Geldc erheben kannst.

Mutter und ich kommen nicht nach Würzburg, wir reisen vielmehr geradewegs in 14 Tagen von hier nach Hause. Du kannst das Geld zur Reise beßer brauchen. Antworte nun bald: ob und wieviel Geld ich Dir von hier aus schiken soll? Im Bleekschen Hause haben wir alles wohl gefunden. Oncle Julius ist vorgestern von hier abgereist und also jetzt schon wieder in Berlin. Du erhältst hiebei einen Brief von Carl und Mimid, um deßen Rüksendung ich bitte. Du wirst nun wohl schon mit Vorbereitungen zur Reise beschäftigt seine, zu der ich Dir beßeres Wetter wünsche, als wir hier im nördlichen Deutschland in den letzten 14 Tagen gehabt haben. Mutter grüßt Dich aufs herzlichste.

Dein Alter Hkl

[Nachschrift von Charlotte Haeckel]

Zur Reise nach Nizza suche Dir ja von Deiner Wäsche orndliche aus, daß Du nicht mit zerissenen Sachen gehst, und nimm Dir auch orndliche Kleider mit. Sei heiter und geniesse Gottes schöne Natur; aber sei auch vorsichtig, daß Du keinen Schaden nimmst, und wir Dich gesund wieder zurück erhalten. Mit der innigsten Liebe

Deine Alte.

a gestr.: dieses; b eingef.: schreiben; c eingef.: Geld; d eingef.: und Mimi; e eingef.: sein

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
23-08-1856
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 35887
ID
35887