Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Anna und Ernst Haeckel, Berlin 16. [Dezember 1863]

Berlin den 16ten

Liebe Kinder!

Herzlichen Dank für Eueren lieben Brief, aus dem wir mit Freuden ersehn, daß Ihr nun wieder ganz wohl seid. Daß Anna aber krank gewesen ist, thut mir herzlich leid, ich bitte sie sehr sich ja sehr in Acht zu nehmen, und nicht zu starke Touren zu unternehmen. Auch soll sie sich nicht vor dem Weihnachtsfest nicht abarbeiten, uns sollt Ihr durchaus nichts schicken, von uns bekommt Ihr auch nur einiges Naschwerk, da Ihr ja || statt Geschenk Geld bekommen habt. Ihr wißt ja, daß ich überhaupt der Meinung bin, Kinder müssen den Eltern nichts schenken, sie sollen sie nur immer recht lieb behalten; und das ist ja unsere größte Freude, wenn die Kinder brav sind. Du schreibst, lieber Ernst, ich solle aus Deiner Kiste von den Spielsachen für jedes der Kinder etwas aussuchen. Da Du aber schon für sie ein Bilderbuch klebst, was ich sehr hübsch finde, so || dächte ich wir liessen es entweder bis Ostern daß Du selbst dann was aussuchen kannst, oder bis Karl mal hier ist damit er dann wählen kann was grade paßt. – Bestimmt ausgesprochen ist noch nichts, aber ich denke doch Karl wird wohl zwischen Weihnachten und Neujahr her kommen. – Für uns wird das Weihnachtsfest ohne Kinder und Enkel wohl sehr einsam sein. Sollte Tante Gertrude und Tante Bertha nichts vor haben, || so denke ich werden sie wohl zu uns kommen. Jetzt hat Tante Bertha Hausarrest eines starken Husten wegen. Tante Bertha meinte schon Tante Adelheid hätte den Wunsch wir möchten Heiligabend bei ihnen sein, ich muß aber sagen, ich bin nicht dafür, ich finde die Fahrt Abends doch etwas anstrengend, und hauptsächlich wünsche ich es nicht, weil Tante Adelheid wieder hat schröpfen müssen, und Bertha Priem doch noch immer krank ist, sie ist zwar wieder auf, soll aber auf der linken Seite gelähmt sein. || Helehne liegt auch auf dem Sopha und soll sich ruhig halten, sie war etwas unwohl, und da es grade die Zeit war, in der der kleine Hans zu früh gekommen, so hata Quincke Ruhe verordnet. Es hat aber nichts zu sagen. Heinrich wird zu Mutter Minchen nach Frankfurt gehn; er war heute Mittag hier, und grüßt Euch herzlich. Diesen Nachmittag war Richter hier, und verkündigte uns, daß vor 14 Tagen bei ihnen ein kleiner Junge angekommen sei, worüber natürlich große Freude ist. – || Die 3 Briefe habe ich gleich in Freicouverts getan und in den Briefkasten werfen lassen. Gestern waren wir zu Mittag mit Heinnrich bei Tante Bertha, da habe ich für Dich 2 Thaler 18½ sg bezahlt. Die Citronensäuere habe ich besorgt und werde sie nächstens mit schicken.

Nächsten Sonntag wird bei Hartmanns das Familienkränzchen sein, was alle 14 Tage sein wird; das erste mal bei Tante Bertha war es recht nett. || Ich denke mir, Ihr werdet Euch wohl ein kleines Weihnachtsbäumchen ausputzen und Gegenbauers dazu laden, der netten Frau wird das was neues sein, weil sie in Süddeutschland nicht Weihnachten in der Art, wie hier begehn. –

Auguste Eichmann ist vor 14 Tagen gestorben, die arme hat viele Jahre gelitten. –

Neulich habe ich in Erfurt wieder den Wintervorrath bestellt, für Dich, liebe Anna, habe ich nur || geschrieben, daß Herr Schneider Dir Stärke schicken soll, da Du mir sagtest Du habest von den andern Sachen noch Vorrath, und es nicht gut ist, wenn es zu alt wird. –

Herr Ewalt (Ernst hat ihn wohl bei Frau Professor Weiß gesehn), 52 Jahr alt wird die Schwester von Professor Dubois heiraten 40 Jahr alt; sie soll sehr glücklich sein, da sie ihn immer gerne gewünscht. Frau Professor Weiß sagt: das hätten sie vor 20 Jahren thun sollen. –

a korr. aus: hatt

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
16-12-1863
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 35394
ID
35394