Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Agnes und Ernst Haeckel, Berlin, 28. Juni – 1. Juli 1868aeckel, Berlin, 28. Juni 1868

Berlin d. 28sten

Juni 1868.

Liebe Kinder!

Diesmal habt Ihr Beide uns durch Briefe erfreut, herzlichen Dank dafür. Sehr freue ich mich, daß Ihr Beide wohl seid: Gott sei ferner mit Euch! – Wir sind auch wieder gesund, und freuen uns, bald bei unseren lieben Kindern zu sein. –

Den 1sten July

Angefangen liegt dieser Brief schon seit mehreren Tagen: theils konnte ich nicht zum Schreiben kommen wegen mancherlei Unruh, || und dann konnt ich Euch auch immer nicht ganz fest über unsere Reise schreiben. Nun bin ich heute durch Euere lieben Briefe erfreut; habt beide ganz herzlichen Dank für alle Liebe. Daß Du, meine liebe Agnes, Dich jetzt so wohl fühlst, freut mich sehr; aber mein lieber Herzens Ernst, ist wieder nicht recht, nun pflege Dich nur recht und übernimm Dich doch nicht immer in der || Arbeit. Mässig und bedächtig bei Allem! Daß Du die Anerkennung aus Uetrecht erhalten freut mich, und ich wünsche Dir Glück dazu. Louis Mulder, der sich sehr darüber freut, läßt Dir sagen nun müßtest Du nach Holland kommen, und dafür danken; bei ihnen im Haag müßtest Du wohnen und habest von dort nur 2 Meilen nach Uettrecht. –

Daß Deine Mutter, || meine liebe Agnes, wieder leident ist, thut mir sehr leid, hoffentlich erholt sie sich bald, grüsse sie herzlich von mir. Heute zu Mittag hatten wir Gäste: Mölders, die Schwestern Voswinkels, Brunnemanns, August Jacobi (Helehne ist nach Heringsdorf) Ernst Reimer mit Frau, und Heinnrich. Mölders reisen morgen ab; eben so Tante Bertha nach Kissingen, von wo || sie mit Gertrudchen nach Nordernei geht. Heinnrich hat heute in der Körnerstraße eine Wohnung gemiethet. –

Unsere Reise zu Euch haben wir nun auf künftigen Montag festgesetzt, wir werden also wenn nichts dazwischen kommt: Montag, den 6ten früh von hier reisen, und ich bitte Dich: uns einen Wagen nach Apolda zu schicken, sei aber || so gut und sage dem Kutscher, daß er sich so einrichtet, daß er unser Gepäck aufbinden kann, vielleicht hat er einen Korb auf dem Wagen. Vater wollte erst Sonnabend fahren, was mir zu rasch kam, da ich noch mancherlei zu besorgen habe; nun nach Deinem heutigen Brief, worin Du schreibst, daß Du Sonnabend nicht nach || Apolda kommen kannst, hat er sich in den Aufschub gefunden. Sonntags ist der Verkehr auf der Eisenbahn zu lästig, deshalb werden wir Montag kommen. – Sollte sich hier drin noch was ändern, so werde ich gleich schreiben oder wenn die Zeit zu kurz ist Thelegraphie, ich schreibe dies nur, damit Agnes nicht erschrickt, wenn eine Thelegraphischdepesche kommt. – ||

Nun, gute Nacht, meine lieben Kinder, Gott gebe uns ein frohes Wiedersehn. Mache nur, mein lieber Herzens Ernst, daß ich Dich recht gesund wiederfinde. Vater grüßt schön. Mit der innigsten Liebe, wie immer

Euere

alte Mutter

Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
01-07-1868
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 35379
ID
35379