Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 13. Dezember 1896

Potsdam 13 Decbr

1896.

Liebes Bruderherz!

Ich kann den stillen Sonntagabend doch nicht besser benutzen, als, indem ich Dir etwas vorplaudre. Die geschäftliche Angelegenheit, über die ich Dir besonders schreibe, giebt mir den Anstoß. Ich habe oft das Bedürfniß mit Dir zu plaudern, z. B.a über Brüsewitz, den Proceß Marrihall ./. Lückert-Lützow u. s. w., aber per Feder plaudert sich’s doch nicht so bequem. Man müßte per Telephon raisonniren können, würde sich da aber wohl leicht in eine Anklage hineinreden! –

Mich hat recht gefreut, durch Heinrich doch mal Näheres von Euch zu hören. Es geht darnach doch mit Agnes wieder besser, aber bei der Unbeständigkeit unseres Winterwetters wirst Du Dich immer wieder auf einen Umschlag gefaßt machen müssen.

Kommt denn Euer Walter zum Feste? ||

Friedel erwarte ich zum 23st früh. Hoffentlich entschließt sich auch noch Heinrich zur Heerfahrt. Die Fahrt nach Stettin war ganz nutzlos. Hätte man nur die eigenthümlichen Verhältniße vorhergewußt! – Gut, dass er mit dem Qu. nichts zu thun hat. Auch wenn er die Stelle erhalten hätte, war ein solcher Quasi-Chef doch sehr wenig wünschenswerth.

Mir geht es bis jetzt gut, trotz dem unsichern Wetter.

Die Beilage für Heinz bitte ich ihm zu übermachen.

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus

Dein

treuer Bruder

Karl. ||

P. den 13.12.96

Geschäftliches.

1.) Nach anliegendem Schreiben hat Herr von Rochow auf dessen 3 Fercher Besitzungen

Du 10.000 Mk Darlehn zu stehen hast, um Entpfändung von 3 an einen Kossäth Stoof vertauschten Ankerparzellen ersucht. Ich habe die Karten auf dem Katasteramt eingesehen u. mir die Sachlage erklären lassen. von Rochow besitzt ausgedehnte Forst in Fercher Flur, an welcher auf längerer nördlicher Grenze lauter Ankerparzellen anstoßen. Auf diesen hat z. Zt. Die Fercher Gemeinde die Jagd u. der Jagdpächter schießt natürlich gern das aus der Forst zur Aesung heraustretende Wild ab. – Das will von Rochow verhindern, als seinem Wohlstand nachtheiligt, und vertauscht deshalb von seinen Kossäther-Ländereien (den Dir verpfändeten), die mehr nördlich näher dem Dorfe zu liegen, gegen Kossäthergrundstücke, die an seiner Forstgränze liegen.

Das eingetauschte Land (1. Anlage Karteb), das || dem v. Rochow bereits aufgelassen ist, ist zwar von geringerem Reinertrage, aber der Fläche nach größer als das vertauschte u. der im Pfand bleibende Grund u. Boden giebt für Dein Darlehn ausreichende Deckung. Auch soll v. Rochow ein guter, genauer Wirth sein, der durch Perzellenverpachtung von seinem Fideicommisgute Plessow an Werderaner sehr bedeutende Einnahmen (jährlich bis 40.000 Mk Pachtgelder) hat. Ich habe daher kein Bedenken, gegen die Unterzeichnung des beiliegenden Entpfändungsentwurfs; der von Dirc gerichtlich, der Unterschrift nach, zu rekognesziren und mir dann mit den Anlage, eingeschrieben, zu übersenden ist.

2.) Zum 1 Jannuar 97 nehme ich für Dich ca. 2900 M ein, wie viel willst Du gesandt haben? Einen Vorschuß für den Rechts Anwalt in der Subhastation ./. Eckhardt werde ich davon zurückbehalten müssen. Sonst kann ich anlegen.

Ad. 1) Ich konnte die Erklärung nicht gut auf Grund der GeneralVollmacht abgeben, da letztre z. Zt. Beim Rechtsanwalt in der Eckardt’schen Sache sich befindet.

C Hkl

a eingef.: z. B.; b eingef.: Karte; c eingef.: von Dir

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
13-12-1896
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35357
ID
35357