Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Wiesbaden, 16. April 1896

Wiesbadena,

Hôtel Adler d. 16/4 96.

Lieber Bruder!

Vor der Abreise kam ich, vor allerhand noch abzuwickelnden Geschäften, nicht dazu, Dir zu schreiben. Es thut mir recht herzlich Leid, daß Du wie es scheint in diesen Osterferien gar keine erheiternde Ausspannung hast. Aber man muß ja in die gegebenen Verhältnisse sich fügen – u. dann bist Du ja wohl, – wie mir Friedel sagte, – so emsig bei Deiner schriftstellerischen Arbeit, daß Du auch deshalb kaum fort konntest.

– Mir geht es wohl, bis auf etwas Residuum der Grippe. Ich werde immer noch leicht heiser beim Sprechen u. bin gegen Erkältung empfindlich. Ich werde hier früh ein Paar Gläser des sehr angenehmen Kochbrunnens trinken, und dann noch vor dem Kafé spaziren gehen. Baden soll ich höchstens || 2 mal in der Woche, gegen den nicht argen, aber eingewurzelten Rheumatismus. Die Hauptsache ist, einmal vom Hause auf einige Wochen fortzukommen u. sich auszupflegen.

Dazu scheint der hiesige Aufenthalt geeignet zu sein, zumal ich noch auf eine Woche meinen alten Freund Richter nebst Frau in meinem Hôtel, zum Adler, Langgasse, zur Gesellschaft habe. Nächste Woche will ich mich mit Friedel auf dem Niederwald treffen, einen Tag mit ihm hier umherdämmern u. ihn dann nach Heidelberg entlassen, wo das Chemische Laboratorium am 24t dieses Monats eröffnet wird. Später denke ich ihn dort zu besuchen. Vor allem muß dazu das Wetter sich ändern, das || hier, wie zu Hause, sich noch beharrlich kühl hält. Heut früh +2° u. nur im geheizten Zimmer auszuhalten.

Ich lege Dir einen Rundbericht vom 28st vorigen Monats bei, mit der Bitte ihn an Heinz abzugeben, der ihn vorläufig bewahren soll, bis mehrere dazu kommen.

Wann denkt Heinz nach Potsdam zum Chirurgenkongreß zu kommen? – Ich dachte in der Pfingstwoche heimzukommen, dann aber nach Guben (zum 31/5 circa) zu einer Missionsversammlung u. von da auf 2 Tage nach Radewitsch zu reisen.

Mit herzlichem Gruß an Frau, Tochter und Heinz

Dein treuer Bruder

Karl

b Friedel hat gut Haus gehalten in Jena von der Summe die ich Dir sandte, nichts gebraucht – Ist doch so richtig? –

a gestr.: Potsdam; eingef.: Wiesbaden; b weiter am Rand v. S. 3: Friedel hat gut…doch so richtig? –

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
16-04-1896
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35351
ID
35351