Kniebe, Pauline

Pauline Kniebe an Ernst Haeckel, Potsdam, 31. Oktober 1897

Sonntag früh ½8 Uhr

Lieber Herr Professor

Recht friedlich schlummert mein lieber armer Kranker schon ½ Stündchen u. war vorher auch nach der Nacht guter Stimmung. – Ich ging zum 1ten Mal seit dem 20sten zu Bett, mit recht schwerem Herzen, verfolgte auch alles, obgleich ich einen gut empfohlenen Krankenpfleger für die Nacht hatte – in der Nacht zum Sonnabend war Herr Rath so hülflos schwach, daß meine Kräfte, wie mir vorkam, nicht ausreichten ihn zur Erleichterung aufzurichten, ich klingelte als Martha zur Hülfe. – Herr Rath wünschte nur meinetwegen die Aenderung, er sagte mir auch, ich solle nun aber nicht in der Nacht immer gleich kommen und bis an der Welt Ende, alle Tage immer bei ihm bleiben, dabei wird’s auch bleiben nur auf Minuten verlasse ich dies hier, wenn ich Martha drinne weiß. –

In guten Stunden lesen wir u. plaudern ganz nett; auch öfter mit Theilnahme über Jena u. hoffen, daß Ihrer lieben Frau der harte Schicksalschlag nicht dauernd gesundheitlich geschadet. – Die herzensgute alte Tante Bertha war gestern hier. – Seit gestern gebe ich auch Champagner viel zur Belebung u. gegen Trockenheit.

Mit Gruß Pauline Kniebe

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
31-10-1897
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35337
ID
35337