Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 22. Januar 1893

Potsdam 22 Januar | 1893.

Lieber Ernst!

Ich beeile mich Dir doch noch vor Deiner Abreise ein Lebenszeichen zu senden, wiewohl ich hoffe, daß Du die Reise noch etwas hinausschiebst. Hast Du denn in Messina etwa telegraphisch angefragta, wie es dort mit der Temperatur steht, und ob dieselbe Dich nicht, wenn auch viel milder als hier, abhalten u. hindern wird, Deine Plankton-Studien nach Wunsch zu treiben? – Und reist denn Agnes bei dem Wetter mit? Für alle Fälle sende ich Dir anbei eine Adresse, die mir Frau Regierungs Rat Große gegeben hat, von einer empfehlenswerthen Pension in Syrakus (die Frau Professor Koch ist die Gattin eines Berliner Künstlers und Tochter oder Enkelin?b eines wohlhabenden hier verstorbnen Brauereibesitzers. – ||

Zum Mitnehmen auf die Reise soll Dir Heinz in meinem Auftrag ein Buch über Herzogin Anna Amalia (Mutter von Carl August) geben, das ich zugleich als Geburtstagsgeschenk anzunehmen bitte.

Dein „Monismus“ wird hier mit Interesse erst von der alten Frau Wolff, jetzt von meinem Julius gelesen, der sich auch von Deinen Werken welche mit nach dem Rhein nehmen will, um sie in einsamen Stunden nach der trockenen Tagesarbeit zu lesen. Dir eine Kritik darüber meinerseits zu geben, bin ich jetzt außer Stande, dazu muß man in der Philosophie mehr zu Hause sein und Studien gemacht haben. Komme ichc erst zu letzteren, – ich habe mir dazu Pfleiderer’s Religions Philosophie und ein Heftchen der Verhandlungen der philosophischen Gesellschaft zu Berlin (No 5 von 1877.) zurechtgelegt, in welchem letzteren ein längeres || Referat von Dr. Otto Vogel über

„Haeckel und die monistische Weltanschauung“

enthalten ist. Beim vorläufigen Hineinkucken in letzteres fand ich auf S. 25 eine ergötzliche Stelle, d die Du nachlesen mußt! Der Mann hat, scheint mir, nicht so Unrecht.

Außerdem liegen nun Reisehandbuch u. italienische und französische Phrasen- und Gesprächsbücher auf meinem Tische, um mich zur Reise zu rüsten, die ich immer noch Anfang April anzutreten gedenke.

– Wenn sich nicht etwae unsre Briefe gekreuzt haben, schreibe mir doch bald, ob Du noch irgend etwas zur Reise brauchst.

Mit herzlichen Grüßen

Dein

Karl.

a irrtüml.: anfragen; b eingef.: oder Enkelin?; c irrtüml.: ist; d gestr.: über; e eingef.: etwa

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
22-01-1893
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35335
ID
35335