Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 23. Dezember 1892

Potsdam 23 Decbr | 1892.

Lieber Bruder!

Vielen Dank für Deine Sendung vom 20st. Sie traf grade so ein, daß ich den „Monismus“ zu Tante Bertha herüberbesorgen konnte. Ich traf sie aber nicht; den Hans Meyer’schen Kilimandscharo werde ich ihr zum 1st Feiertag geben, wo sie hoffentlich herüberkommt. Dein Geldgeschenk acceptire ich bestens. Und nun noch die in Aussicht gestellte Gratis-Reise? – Da muß ich abwarten, wie ich zum Frühjahr im Stande bin und welches Wetter um die Reisezeit in Italien ist. Ich möchte nicht in ein schlechtes Frühjahr dort hineinfallen! Vor dem 20 März kann ich hier nicht || fort, da Siegfried am 19t März confirmirt werden soll. Nun, kommt Zeit, kommt Rath. Vorläufig acceptire ich es gerne und dankbar. Ich merke nun doch, daß ich allmählig schwerfälliger werde. Seit gestern ist mein Haus voll; Hermann ist mit seinen Dreien eingerückt. Ich erwarte nun noch morgen Georg, der Urlaub hat. Schade, daß Heinz nicht auf einige Tage herkommen kann. Er wird Dir diese Zeilen am heil. Abend übergeben; ich lege an Bildchen von Potsdam bei und habe Dir sonst noch Siemens’ Lebenserinnerungen zugedacht. Du hast sie doch nicht schon? Bitte um Antwort. Ich sende sie dann später. ||

Den „Monismus“ werde ich bei nächster Muße studiren und Dir darüber antworten.

Hast Du gelesen, daß Herr von Hase hier fort will? Die Art der Beseitigung ist nicht schön. Ueberhaupt passirt jetzt so manches, was trüb u. besorglich stimmt. Doch wir wollen uns dessen freuen, was wir im Familienkreise Gutes und Erfreuliches haben. Bei Euch wird wohl das Leipziger Ehepaar in der Festzeit herüberkommen. Aber wo ist Walter? –

Nun Dir, Agnes und der Emma meine herzlichen Festwünsche, die Leipziger nicht zu vergessen.

In alter Liebe

Dein treuer Bruder

Karl.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
23-12-1892
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35297
ID
35297