Haeckel, Karl

Ernst Haeckel an Karl Haeckel, Potsdam, 15. Dezember 1892

Potsdam 15 Decbr 1892.

Lieber Bruder!

Vielleicht hast Du schon durch Heinrich gehört, daß Georg mit der einen schriftlichen Arbeit Unglück gehabt hat und eine andre machen muß, bevor er zur mündlichen Prüfung, die für ihn nun erst im Januar 1893 stattfindet, zugelassen werden kann. Diese Unglückpost kam recht unerwartet; sein Chef hatte die betreffende Arbeit gelesen u. noch besonders gelobt. Eine Veränderung in der Person der Examinatoren und eine unrichtige Auffassung des Themas der Arbeit, bei der sich Georg alle Mühe gegeben haben will, mag daran schuld sein. Georg kommt jedoch hoffentlich zum Feste her, auch um das Bräutchen || zu trösten. Ich denke Heinz wird sich auch auf einige Tage, zu Weihnachten oder Neujahr losmachen können. Denke Dir, von meinem Carl erhielt ich dieser Tage einen längeren, ganz verständig geschriebenen Brief, der den Eindruck machte, als ob er nach längerem Träumen erwacht sei. An dauernde Besserung ist natürlich nicht zu denken, aber wunderbar ist dieser Wechsel doch; er hatte seit mehreren Jahren, seit Dezbr. 1888 nicht mehr geschrieben.

Auf die anliegende Anfrage bitte ich um baldige Antwort.

Meine Erkältung habe ich überwunden.

Mit Gruß an die Deinigen

Dein

Karl.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
15-12-1892
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35296
ID
35296