Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 27. Oktober 1892

Potsdam d. 27 Octbr | 1892

Lieber Bruder!

Aus dem beiliegenden Briefe an Agnes, dessen Inhalt auch für Dich geschrieben ist, ersiehst Du, daß mein Haus in diesem Jahre mit einer Verlobung noch nicht genug gehabt hat. Ich habe gestern Abend als doppelter Schwiegervater in spe in dem uns angeschlossenen Kreise zweier schon befreundeter Familien bei Tische gesessen, leider aber Eurer Geburtstagsfeier über dem neuen Trubel zu spät gedacht.

Übrigens kann ich mich aucha über diese Verlobung mit Recht freuen; ich hoffe, die jungen Leute werden gut zueinander passen; nur wünsche ich, daß sie nicht zu lange zu warten brauchen. Julius hofft, durch ein Commissorium in der Rheingegend diese Wartezeit abzukürzen. Der Kampf ums Dasein ist unter unsren jungen Assessoren gar zu lebhaft. –

Die bestellten Photographien, – 7 an der Zahl, mit der schon übersandten 8., – erhältst Du anbei; vergiß nicht, Finsterbusch eine zu senden. – Von den 4 Stück, die ich für mich behalten und auf mein Conto genommen, sende ich eins an Frau Dr. Krüger. ||

In einem Antiquariats Katalog von Krapffmeyer, den ich dieser Tage erhielt, finde ich: Noiré, Ludwig, Der monistische Gedanke. Concordanz der Philosophie Schopenhauer’s, Darwin’s, Mayer’s und L.b Geiger’s, Leipzig 1875. Preis 3M; − hast Du das Buch schon oder soll ich Dir es kaufen u. senden? Es schlägt ja in das Thema ein, das Dir jetzt durch den Sinn geht. –

Mit herzlichem Gruß an die Deinen

Dein treuer Bruder

C Haeckel

P. S. Beim Nachwiegen entdeckte ich, daß die Sendung über 250 Gramm wiegen würde; ich behalte daher noch eine Photographie zurück, also folgen nur 6!

a eingef.: auch; irrtüml.: A.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
27-10-1892
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35294
ID
35294