Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Agnes und Ernst Haeckel, Potsdam, 19. August 1892, mit Nachschrift von Georg Haeckel

Potsdam den 19 August | 1892.

Lieber Herzensbruder und liebe Schwägerin!

Meinen und meiner Kinder innigsten Glückwunsch zu Eurem morgenden 25st Hochzeitstage sende ich Euch hiermit. Ihr habt in diesem Zeitraum Freud und Leid in der nöthigen, unausbleiblichen irdischen Mischung erfahren und namentlich im vorigen Jahre schwere Prüfung glücklich überstanden. Möge der gütige Himmel Euch fernerhin noch lange Jahre bei frischer geistiger und körperlicher Gesundheit zusammen leben lassen und Euch Freude an den Kindern (und an Kindeskindern!) erleben || lassen. Ihr werdet den Tag im engsten Kreise verleben; hoffentlich recht froh und – bei nicht allzugroßer Hitze, wie wir sie hier am vorigen Mittwoch, bei 27½° Reaumur im Schatten, erlebten und heute annähernd wieder haben. Wir werden Eurer bei einem Familienmahle, zu dem die engste Verwandtschaft von beiden Seiten geladen ist, morgen Nachmittag u. Abend gedenken.

Georg hat 14 Tage Urlaub seit 15t dieses Monats, und traf am vorigen Montag früh hier ein, um die mit ihrem Onkel und Tante aus dem Hochgebirge zurückkehrende Braut zu empfangen. An demselben Abend war ich mit Ihnen im Hause der Schwiegermutter, im Elze’schen Familiena Kreise zusammen.

Gestern ist Julius aus Ost und West Preußen || zurückgekommen. Heute, spätestens Morgen Vormittag erwarte ich Hermann aus Crossen. Heinz ist leider durch sein Amt so gefesselt, daß er gestern abschriebb. Die Verwandten zeigen durchgängig die herzlichste Theilnahme an der Verlobung, die das Ergebniß vieljähriger Bekanntschaft ist.

Sie ist ein liebes, nettes kleines Frauenzimmer, die in ihrem natürlichen Wesen trefflich zum Georg paßt. Wir hoffen, daßc beide bald nach dem im Spätherbst bevorstehenden mündlichen Examen Georg’s ihren Hausstand begründen werden.

Für heute genug; ich fühle mich trotz Hitze und doch immerhin aufregenden Tagen wohl und hoffe, daß es dabei bleibt.

Mit herzlichem Gruß an Frau u. Kinder Dein alter

treuer Bruder Karl, ||

dem es recht Leid thut, daß wir den morgigen Tag nicht zusammen als „vereinigte Haeckelei“ feiern können! –

Ueber Deine Reise, lieber Bruder, erhalte ich wohl weitere Nachricht, die Kiste aus Rothenburg o/T, und den vorhergehenden Brief aus München richtig erhalten.

[Nachschrift Georg Haeckels]

Herzlichen Dank für Deine freundlichen Glückwünsche. Ich füge gerade ein eben fertig gewordenes Probebild von meiner Braut und mir zur Erläuterung bei.

Beste Grüße von Deinem Neffen und Deiner zukünftigen Nichte.

Georg.

a eingef.: Familien; b irrtüml.: abschrieben; c eingef.: daß

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
19-08-1892
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35279
ID
35279