Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 15. Juli 1888

Potsdam 15 Juli

1888.

Lieber Bruder!

Die Ferien beginnen heut und damit kommt dann doch die bisher vermißte Reiselust über mich. Das jetzt so kalte u. rauhe Wetter kann ja in 4 Wochen grad ins bessere ungeschlagen sein. Nun möchte ich gern wissen, wann Du wieder in Jena bist und ob ich Dir auf eine Woche im September gelegen käme. 4-6 September ist Gustav-Adolph-Versammlung in Halle, die ich vielleicht besuchen u. dann zu Euch kommen würde. Vorher würde ich auf 14 Tage in den Harz (Sachsa) oder Thüringer Wald (Oberhof?) zu Erholung gehen, wenn − hier alles gut bleibt. Mit Mutter geht es wieder ganz leidlich und mein Friedel, der sich vor 8 Tagen an Diphtheritis (leichter Anfall) legte, bessert sich hoffentlich inzwischen so, daß ich ohne Sorge fort kann. Er ist || noch im Bett, fängt aber schon an ungeduldig u. übermüthig zu werden.

In Lichterfelde war ich gestern zu Evchen’s Geburtstag. Wenn auch das Quartier etwas eng ist, so ist das Hohe Parterre doch für die Kinder, die alsbald in einem netten Vorgarten gelangen u. jede gute Stunde auch bei unsichrem Wetter darin zubringen können, recht geeignet. Der Ort ist viel netter als ich dachte, eine schon recht ausgebreitete Villenstadt. Doch ich nehme mir den Stoff für den Cirkularbrief fort, den ich an Heinz schicken will und den ihr lesen könnt.

Mutter grüßt schön; ich habe ihr so eben die übliche Patience gelegt!

Mit herzlichem Gruß von Haus zu Haus

Dein treuer

Bruder.

aFragtest du neulich nicht nach einer Frau Steinbach? (Ich kann den Zettel nicht gleich finden). Das ist keinesfalls die Frau meines Freundes; die ist längst todt. – – Zettel gefunden; liegt bei.

a weiter am Rand v. S. 2: Fragtest du neulich…Zettel gefunden; liegt bei.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
15-07-1888
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35224
ID
35224