Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 3. Juli 1888

Potsdam 3 Juli

1888

Lieber Bruder!

In Mutter’s Namen soll ich Dir recht herzlich danken für Deinen Geburtstagsbrief u. die Radiolariensendung. Mutter war in diesen Tagen recht frisch. Wir tranken bei ihr oben Kaffee u. gegen Abend spielten die Kinder u. Tante Bertha mit ihr eine Partie Boston. Für Kuchen u. Braten hatte Tante schon gesorgt. Wir werden Dein Eßpräsent bei nächster Gelegenheit ihr vorsetzen (jetzt ist man keine Karpfen!) Unsre Kost bekommt Muttern auffallend gut u. sie hat sich in diese Ändrung auch leicht hineingefunden. Sie bekommt täglich ein Ei in die Suppe u.s.w.

Deine Radiolarientafeln sind übrigens theilweis ganz neu in den wahrhaft schönen Zeichenmustern. Julius hat sie mit Kennerblick durchgesehen! – ||

Tante Bertha wird, nach einer Conferenz mit Dr. Günther, die sie am Donnerstag hatte, fürs erste nicht nach Münster a/St., sondern ruhig in Berlin bleiben. Soll sie es noch brauchen, so soll sie erst im September gehen, wenn es nicht so heiß ist.

Clason’s sind glücklich in Hamburg angekommen mit ihren 9 Kindern. Sie u. Theodor Bleek telegraphirten an Mutter zum 1. Juli.

Für uns ist der Umzug von Hahn nach Lichterfelde eine große Veränderung. Die Versetzung kam schließlich so rasch, daß binnen 8 Tagen Wohnungssuche u. Umzug erfolgte. Seit Freitag sind sie dort. Ich vermisse Hahn und die Kinder recht. Der Verkehr nach Lichterfelde ist schwieriger u. zeitraubender als nach Berlin. –

– Anbei sende ich Dir die gewünschten 1200 M. Den Rest der jetzigen || Einnahme werde ich anlegen.

Von der Rede „Persius auf den Kaiser Friedrich“ lege ich 1 Exemplar bei.

Die Thronreden und der Dankerlaß sind recht befriedigend.

– Ich habe jetzt Herms zu vertreten, der auf 6 Wochen nach der Schweiz ist, hatte vorige Woche viel zu thun; jetzt nimmt die Arbeit aber ab u. in 14 Tagen habe ich nur halbe für die Ferien.

Mutter hat sich über Euer aller Briefe sehr gefreut und dankt allen schön.

Mit herzlichen Grüßen

Dein

Karl

Vielen Dank für Dein Reiseanerbieten; ich werde suchen, ob ich fort kann. Es kommt alles auf Mutter an. Weit weg gehe ich nicht –

aIch lege Dir einen Artikel über Palästina bei, der Dich interessiren wird.

a weiter am Rand v. S. 3: Ich lege Dir…Dich interessiren wird.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
03-07-1888
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35223
ID
35223