Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 5. Juli 1885

Potsdam 5 Juli 1885.

Lieber Bruder!

Dieser Tage bot mir ein gut situierter Schuldner von Mutter, Böttchermeister Rose hier, auf sein Haus in der Spandauerstraße eine Hypothek von 18.000 Mk á 4 %a zum 1. October circa gekündigt, zu erwerben an. Es stehen 12.000 M. für Mutter als erste Hypothek vor. Ich halte aber auch diese 2te (welche also mit 30.000 M abschließt) für sicher, da das Haus ca. 27.00 M. Miethe giebt u. neu gebaut ist.

Bitte schreibe mir bald, ob ich darauf eingehen soll. Du hast 30-40 Tausend Mk Staatspapiere, die entweder nur 4% geben oder doch || in diesem oder dem nächsten Jahre von 4½ auf 4% heruntergesetzt werden. Ich halte es daher für vortheilhaft, ein Theil dieser Gelder in 4½ % Hypothek anzulegen. Sollte für die Westphalia eine neue Anleihe emittirt werden u. Du Dich dabei betheiligen wollen, so hast Du immer noch genug dafür disponibel.

Mutter läßt Dir recht schön für die Geburtstagssendung u. Dein Bild, das ich ihr aufgebaut habe, danken. Sie laborirt an den Augen; beim Lesen und Schreiben sieht sie oft einen Theil der Zeile, die geschrieben resp. gedruckt ist, || gar nicht, sondern statt dessen eine weiße Stelle. Sie hat auch deshalb gebeten, statt ihrer Dir diese Zeilen des Dankes zu schreiben. Sonst ist sie munter u. war gestern noch im Garten. An Sandtorte fehlt es ihr nicht, da sie von mir auch eine erhalten hat.

Hahn u. Frl. Joens denken Mittwoch nach Heydt zu reisen. Die Ferien des Kadettenhauses beginnen dann. Marie erwarte ich Ende dieser neuen Woche zurück u. freue mich recht darauf. Sie hat mir doch recht gefehlt, so gut auch alles von Frl. Joens besorgt wurde. ||

Die Photographien sende ich Dir bei dieser Gelegenheit.

Hoffentlich bist Du wieder ganz fest auf den Beinen; „nimm Dich aber doch besser in Acht!“ läßt Dir die Alte sagen.

Mit herzlichem Gruß von Haus zu Haus

Dein

treuer Bruder

C. Haeckel

Von Tante Bertha u. meinen Jungen habe ich gute Nachricht.

Die Beilage läßt Du wohl bald an Heinz gelangen.

Bei Hermann wird Mitte Juli No. 2 erwartet, Dienstag kommt eine Schwester von Weimar.

a eingef.: á 4 %

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
05-07-1885
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35160
ID
35160