Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 10. Juni 1884

Potsdam 10 Juni 1884.

Lieber Ernst!

Vorgestern war Dein einer Hypotheken Schuldner: Haseloff aus Beelitz hier. Bei ihm stehen 9000 Mk zur ersten u. 3000 Mk zur 2ten Stelle. Die letztren, die vor 1 April 1885 nicht kündbar sind, wünscht er jetzt abzuzahlen (1 Juli oder 1 October). Ich frage darauf an, ob es Dir etwa angenehmer ist, ob Du etwa zur Deckung der Haus pp. Kosten jetzt noch so viel brauchst.

An Zinsen gehen zum 1 Juli für Dich 1700 Mk ein. Brauchst Du das Geld nicht, so muß es bis 1 April kommenden Jahres warten mit der Rückzahlung. Die angekauften Papiere werden voraussichtlich nur 4 % statt 4½ % tragen.

Daß Du nicht nach dem Haag kommen kannst, ist Schade. Wir hätten so nett Schönes zusammen sehen können. Bin ich einmal dort, will ich mir auch einige der größeren Städte Holland's und Belgien's besehen. ||

In Wannsee geht es immer noch nicht ganz nach Wunsch. Das Fieber kommt immer noch wieder, wenn es auch einige Tage aussetzt. Doch ist Heinz weiter nicht besorgt, schiebt es auf die Verletzung bei der Geburt, die noch ausheilen muß.

An unsrer Anna haben wir im Ganzen doch rechte Freude. Trotz kalten Wetters – ich friere oft recht in der Stube und bin froh, wenn ich +13° halte – geht es ihr leidlich.

Heinz wird nächstens an Professor Hertwig schreiben.

Mit Grüßen an Euch alle

Dein

treuer Bruder

Karl

An dem Ableben Seebeck nehme ich innigen Antheil. Er hat in entscheidender Weise in Deine Laufbahn eingegriffen. Ich wünsche Euch in Türcke's Stelle einen der Sache gewachsenen Nachfolger, wie es Seebeck war.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
10-06-1884
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35146
ID
35146