Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 4. Juni 1884

Potsdam 4 Juni 1884.

Lieber Bruder!

Meine Ausflugs-Pläne haben sich für den Sommer anders gestaltet. Ich werde nicht nach Kissingen gehen, sondern hier in der I. Hälfte der Ferien Kissinger trinken und dann zur Nachkur Seebad brauchen. Aber wo??, rathe mal!a

Tante Bertha erinnerte mich daran, daß in diesem Sommer Mulder's zu Hause seien u. meinen Besuch gern sehen würden. Ich fragte nun an ob ich Ihnenb recht käme u. erhielt gestern bejahende Antwort. So werde ich denn hoffentlich Mitte August auf 14 Tage bis 3 Wochen nach dem Haag gehen und von da aus in Scheveningen baden, nach vollendeter Kur vielleichtc noch etwas Belgien (einige der großen Städte besehen und dann – wenn's noch geht, über Jena, – heimkehren.

Nun fragt Louis Mulder bei mir an, ob Du nicht zu derselben Zeit d herkommen wolltest. Vom 21-27 August || sei dort internationaler Congreß der Hygiene, und wenn Du auch kein großer Congreß-Bummler seiest, so kämen doch viele hin, mit denen Du gern zusammen sein würdest und Haag werde in der Zeit recht lebendig sein. Ich habe ihm versprochen, Dir sein freundliches Anerbieten mitzutheilen. Platz, schreibt er, habe er für uns beide reichlich und für noch mehre.

Doch glaube ich nach Deinen heut an Mutter gelangten Zeilen kaum, daß sich das mit Deinen neuen Herbstplänen vereinigen läßt, so nett es auch wäre. Du müßtest dann zuerst mit Frau u. Kindern die Rheinreise absolviren, sie dann etwa von Köln aus heimsenden und von da aus nach dem Haag herüberreisen. Ich würde mich natürlich sehr freuen, mit Dir zusammen zu sein in Holland und viel-||leicht auch in Belgien, u. Mulder's (von denen Du noch direkte Einladung erhältst) sind ja so liebe u. freundliche Wirthe, daß es ihnen sicherlich auch rechte Freude machen würde. Ueberlege es! –

– Unsrer Anna geht es ja ganz leidlich. Heute ist sie untersucht von Ebmeier und Rege und ihr Zustand besser als vor der Abreise nach Davos gefunden, trotz Rippenfell-Entzündung die sie dort durchgemacht. Vorläufig soll sie jedenfalls hier bleiben und wir wollen sehen, wie es ihr hier bekommt.

In Wannsee ging es nach nicht leichter Entbindung langsam besser. Minna war schon mehrere Tage fieberfrei, hat jetzt aber wieder seit Sonntag Fieberattakene gehabt. Doch hoffen wir, sie wird Ende der || Woche aufstehen können. Der kleine Carl gedeiht bei Flasche und wenig Muttermilch.

Großmutter schleppt sich in alter Weise fort.

Hoffentlich ist Agnes wieder auf dem Zeuge und Ihr habt noch eine Tur für diese Tage bei bessrem Wetter gemacht.

Mit herzlichen Grüßen von uns allen, mit der Hahnei, und an Euch alle

Dein treuer Bruder

C. Haeckel

a eingef.: Aber wo??, rathe mal!; b eingef.: ihnen; c eingef.: vielleicht; d gestr.: einmal; e eingef.: attaken

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
04-06-1884
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35145
ID
35145