Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 22. März 1884

Potsdam 22 Maerz

1884.

Lieber Bruder!

Der erste April naht heran und ich muß nächstens die Zinsscheine und Deinen ausgeloosten Grundschuldbrief über 1500 Mk nach Dortmund schicken.

Ich bitte Dich nun, mich umgehend wissen zu lassen ob Du den Betrag des Grundschuldbriefes mit1500 M.

und den der 28 Zinsscheine =1050 "

Sm:2550 "

direkt nach Jena gesendet wünschest oder ob Du solchen hier erheben willst, wenn Du um Ostern herkommst. Ich denke, das erstere ist Dir lieber u. auch einfacher.

Hier nehme ich an Zinsen für Dich zum 1 April noch so viel ein, daß ich dann einen Bestand von etwas über || 1200 Mk. habe. Willst Du denselben, wenn Du herkommst, abheben oder soll ich Dir ihn gleich nach dem 1 April schicken.

Den Jahresabschluß (pro 1 April 1883/84) werde ich zurechthalten für Dein Hiersein.

– Gestern habe ich, wie Du vielleicht schona von Georg gehört hast, die Freude gehabt, daß Julius glücklich durch das Abiturienten-Examen gekommen ist.

Er soll nun mit Georg zusammen nach Heidelberg gehen, für das Sommerhalbjahr. Der Junge hat tapfer gearbeitet und ist ordentlich schmal geworden. Sonst ist er munter.

Alt Mutterchen geht es leidlich. || Sie fühlt sich aber doch häufig recht hinfällig; wenn sie auch nicht klagt, so sieht man es ihr doch an.

Neulich hielt Professor Lipsius uns einen trefflichen Vortrag über Melanchthon. Nachher war er mit einigen Herren bei mir zu Abend.

Daß es mit Eurem Walter wieder besser geht, ist ja recht erfreulich. Nun werdet Ihr ihn ja bald zu den Ferien bei Euch haben. Georg zählt auch schon die Tage, bis zu seiner bevorstehenden Entlassung. Ich sende ihm heut die letzten Moneten, um alles glatt zu machen.

Von Anna lauteten die neuesten Nachrichten wieder günstiger. Wann sie von Davos fortgeht, ist noch nicht bestimmt. Es fliegen schon viele der dortigen Gäste aus.

Mir geht es wieder gut, nachdem ich mich 14 Tage lang mit einem Katarrh || gequält. Daran litt aber auch bei dem wechselnden Wetter jetzt alle Welt! Hoffentlich seid Ihr alle auf dem Zeuge.

Mit herzlichem Gruß

Dein

treuer Bruder

Karl.

Habe ich Dir schon geschrieben, daß die Kinder mit den Geschwistern Sethe Tante Unzer beerbt haben? Vorläufig giebt es aber nichts als – Kuxe! – und dann geht die ganze Masse natürlich in recht viele Theile. –

Mutter grüßt schön! –

Braucht Georg wider Erwarten noch Reisegeld, so bitte ich, es ihm vorzustrecken, aber nur wenn er Dich darum angeht. –

a eingef.: schon

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
22-03-1884
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35144
ID
35144