Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 23. April 1883

Potsdam

Den 23 April 1883

Lieber Bruder!

Es ist grad so als ob Du hier die guten Tage noch abgepaßt hättest. Denke Dir – aber erschreck nicht! – heut früh 4 Uhr ist unsere gute Mutter, sie weiß nicht, wie? – aus dem Bett gefallen. Zum Frühstück meldete es mir Bertha, – eher hatte sie es nicht sagen dürfen. B ertha hörte den Fall u nd das Wimmern. Sie fand Mutter mit dem Kopf auf der Erde liegend, etwas Haut an der Stirn abgeschunden, ebenso das Knie geschunden, aber bei vollem Bewußtsein u. natürlicher Sprache , und bugsirte sie alsbald wieder ins Bett. Ich schickte zu Ebm eier , er untersuchte sie gegen 10 Uhr genau u. fand sonst Nichts Außergewöhnliches an ihr, wenn sie sich auch im Ganzen Körper zerschlagen fühlt. Ein Schlaganfall ist es keinesfalls gewesen. Sie muß in der Schlaftrunkenheit herausgefallen (oder halb gestiegen?) sein. Sie wollte trotz Zerschlagenheit aufstehen; er verbot es aber streng. Sie hat Kaffee u. etwas || Suppe genossen. Jetzt (4 Uhr N a chm ittags ) hat sie etwas Hitze, wohl Wundfieber. Denn an der Stirn ist ein ganz Stück Haut abgeschürft. Ich schreibe Dir alles der Wahrheit gemäß. Erfreue sie bald mit einigen Zeilen über Deine glückliche Zurückkunft , von der ich durch Georg vernommen habe.

Mieze sorgt getreulich für Mutter, auch Bertha u. ich – werde a ihr heut Ab en d einen Patience-Zopf legen!

Ade, Grüße den Deinen u. an Georg

Dein

Karl.

a gestr .: hier

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
23-04-1883
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35134
ID
35134